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Arkesilaos und Karneades

manfred herok©2009/10

Arkesilaos von Pitane (* um 316/15 v. Chr.;
                                       † um 241/40 v. Chr.)

Arkesilaos war Scholarch , d. h. Schuloberhaupt der sog. Zweiten (mittleren) Akademie.
Er gab der Schule eine skeptische Richtung durch Einführung der epoché („Urteilsenthaltung“): nur Wahrscheinlichkeit sei erreichbar, und diese genüge zum Leben.

In Athen hörte er zunächst im Peripatos ,wurde dann aber von Krantor  für die Akademie gewonnen; hier übten Polemon und Krantor einen tiefen Einfluss auf den jungen Arkesilaos.
Nach dem Tode des Krates (zwischen 268 und 265) wurde er Haupt der Akademie.
Wie Sokrates hinterließ er keine Schriften.

Er verzichtete auf die bisher in der Akademie geübte Art transzendierenden Philosophierens. Sicher glaubte Arkesilaos die ihm anvertraute Tradition zu wahren, indem er auf die sokratische Frage zurückging, ob Erkenntnis möglich sei.
Namentlich in der Methode, die Arkesilaos für fast zwei Jahrhunderte in der Akademie heimisch machte, wird sein Bestreben erkennbar, an die sokratische Dialektik anzuknüpfen: Zu jeder These werden bestätigende und verneinende Gründe aufgesucht.
Schließlich wurde keine Entscheidung gefällt, sondern Zurückhaltung vom Urteil geübt. Insofern ging Arkesilaos über Sokrates hinaus, denn selbst die These darf weder bejaht noch verneint werden. Das Hauptfeld des Arkesilaosschen Philosophierens ist die Polemik . Diese richtet sich vor allem gegen die Erkenntnistheorie der Stoa . 

 


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Karneades_Glyptothek_Munich

Karneades 
* um 214/213 v. Chr. in Kyrene ;
† um 129/128 v. Chr. in Athen.
 
Er war Leiter (Scholarch) der Platonischen Akademie  und gehörte zu der mit Arkesilaos beginnenden Richtung, die als „Jüngere“ oder (weniger passend) als „Mittlere“ Akademie bezeichnet wird.
Mitunter wird auch zwischen einer mit Arkesilaos beginnenden „Mittleren“ und einer mit Karneades beginnenden „Neuen“ Akademie unterschieden.
Das ist aber kaum sinnvoll, denn Karneades hat keinen Kurswechsel eingeleitet, sondern die von Arkesilaos eingeschlagene Richtung bestätigt.

(Römische Kopie nach der Sitzstatue, die um 150 v. Chr. auf der Agora von Athen aufgestellt wurde, Glyptothek  (München )    wikipedia>

Das Brett des Karneades ist ein philosophisches Gedankenexperiment,
das auf den griechischen  Philosophen  Karneades  zurückgeht.
Man stellt sich die Situation zweier Schiffbrüchiger vor, deren einzige Rettung ein umhertreibendes Brett ist, welches jedoch nur eine Person tragen kann. Einer der beiden Schiffbrüchigen tötet den anderen, um die rettende Planke für sich zu sichern und anschließend gerettet zu werden.     (wikipedia  >)        (Cicero >>)

 

C. Philosophie der Neuakademiker

Dem stoischen und epikureischen Dogmatismus tritt zunächst die Neue Akademie gegenüber.
Sie ist eine Fortsetzung der Akademie Platons.617)
Die Nachfolger des Platon teilt man in alte, mittlere und neuere Akademie, dann vierte, auch fünfte (neueste).
Am merkwürdigsten ist Arkesilaos und Karneades.
Die mittlere Akademie wird dem Arkesilaos zugeschrieben, die neuere enthält die Gedanken des Karneades.
Ich bemerke, daß man bei einigen Karneades als den Stifter der Neuen Akademie aufgeführt findet und dann Arkesilaos als den Stifter der mittleren Akademie, - eine Unterscheidung, die nichts heißt.
Beide sind mit dem Skeptizismus nahe verwandt, und die Skeptiker haben selbst oft Mühe, den Skeptizismus zu unterscheiden von dem akademischen Prinzip.
Der Skeptizismus hat beide schon als Skeptiker genommen, doch noch mit einem Unterschiede von der Reinheit des Skeptizismus, der freilich sehr formell ist und wenig besagen will, den aber doch die so subtilen Skeptiker allerdings aufgefaßt haben.
Oft besteht der Unterschied nur in Wortbestimmungen, in ganz äußerlichen Unterschieden.

Das Allgemeine der Akademiker ist, daß sie die Wahrheit als eine subjektive Überzeugung des Selbstbewußtseins aussprechen, was mit dem subjektiven Idealismus neuerer Zeit übereinkommt.
Die Wahrheit, insofern sie nur eine subjektive Überzeugung ist, ist daher von den Neuakademikern nur Wahrscheinlichkeit genannt worden. Sie sind Fortsetzung von Platon, und so Platoniker.
Sie bleiben aber nicht bei dem platonischen Standpunkt stehen und konnten es nicht. Platon blieb, wie wir oben sahen, in der abstrakten Idee stehen: das Große allein in der Philosophie ist, das Unendliche und Endliche zu verknüpfen.
Die Ideen Platons sind angenommen vom Bedürfnis der Vernunft, dem Enthusiasmus des Wahren; sie sind aber in sich das Bewegungslose, das Allgemeine. Aristoteles fordert Entelechie, sich in sich bestimmende Tätigkeit.
Das Bedürfnis der Wissenschaftlichkeit der Begründung hat notwendig über diese Weise des Platon hinausführen müssen.
Die Akademiker verhielten sich negativ gegen Stoiker und Epikureer, die eben das Bedürfnis der Wissenschaft hatten, das Platon noch nicht kannte, dem Allgemeinen der Idee Inhalt zu geben, die bestimmte Bestimmtheit zu fassen. Platon geht im Timaios z. B. ins Bestimmte, organische Leben, wird aber unendlich trivial und ganz unspekulativ,
- Aristoteles ganz anders. Platons Ideen oder Allgemeinen wurden durch das Denken aus ihrer Ruhe gerissen, - dieser Allgemeinheit, worin es sich nicht als Selbstbewußtsein erkannt hat.
Das Selbstbewußtsein trat ihnen mit größeren Ansprüchen gegenüber, die Wirklichkeit überhaupt machte sich gegen die Allgemeinheit geltend; und die Ruhe der Idee mußte in die Bewegung des Denkens übergehen.

Den Zusammenhang mit der Platonischen Philosophie sehen wir leicht darin, wenn wir uns erinnern, daß bei Platon die Idee, und zwar die Idee der Allgemeinheit, das Prinzip gewesen ist.
Die Folgenden haben sich besonders an diese Allgemeinheit gehalten, und mit dieser haben sie auch die Platonische Dialektik verbunden, - eine Dialektik, die darauf gegangen ist, das Allgemeine als solches zu behaupten und das Bestimmte, Besondere als nichtig aufzuzeigen. Eine solche Dialektik läßt nichts übrig als die abstrakte Allgemeinheit. Die Ausbildung des Konkreten ist zum Teil bei Platon nicht weit gegangen; seine Dialektik hat sehr häufig nur ein negatives Resultat, wodurch die Bestimmungen nur aufgehoben werden,
- es bleibt im Ganzen seine Idee mehr bei der Form der Allgemeinheit stehen.
Die Neuakademiker haben nun überhaupt diese Stellung gehabt, dialektisch zu verfahren gegen die Bestimmtheit der Stoiker und Epikureer; und sie haben damit, insofern von Wahrheit die Rede ist, nur Wahrscheinlichkeit und subjektive Überzeugung gelten lassen.
Wir haben gesehen, daß die stoische und epikureische Philosophie beide darauf gehen, für das Prinzip, für das Kriterium der Wahrheit ein Bestimmtes zu machen, so daß dies Kriterium ein Konkretes sein soll. Bei den Stoikern ist es die kataleptische Phantasie, eine Vorstellung, ein bestimmter Inhalt, - aber so, daß der Inhalt auch gedacht, begriffen, ein Gedanke ist, der zugleich inhaltsvoll ist. Dies ist das Konkrete, ein Zusammenknüpfen von Inhalt und Gedanken, was jedoch selbst noch formell bleibt. Gegen dies Konkrete wendet sich nun die Dialektik der Neuakademiker.

617) Sextus Empiricus, Pyrrhoniae hypotyposes I, 33, § 220

HEGEL; Geschichte der Philosophe)

 

*Cicero, der sich aus Hecatos Werk „Über die Pflichten“ informiert hat,
gibt das Beispiel mit folgenden Worten wieder:
Angenommen aber, es gibt nur ein Brett, aber zwei Schiffbrüchige, und beide sind weise Männer. Soll es jeder von ihnen an sich zu reißen suchen oder soll es einer dem anderen abtreten? Es soll abgetreten werden, aber an den, der eher wert ist, um seiner eigenen Angelegenheiten oder um des Staates willen am Leben zu bleiben. Was aber dann, wenn sie in beiden Punkten gleiche Ansprüche haben?
Es wird keinen Streit geben, sondern einer wird dem anderen den Vortritt lassen,
wie wenn er durch Losen oder im Fingerspiel verloren hätte.“

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Manfred Herok©2009/10

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