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170px-Giordano_Phillipo_Bruno_-_Livre_du_recteur_-_1578

Porträt von Giordano Bruno aus dem Livre du recteur der Universität von Genf (1578)

Giordano Bruno

* Januar 1548 in Nola;
† 17. Februar 1600 in Rom; eigentlich Filippo Bruno,
- italienischer Priester, Dichter und Philosoph.
Er wurde durch die Inquisition der Ketzerei und Magie für schuldig befunden und vom Gouverneur von Rom zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.
Im Jahr 2000 erklärten der päpstliche Kulturrat und eine theologische Kommission, die Hinrichtung sei nunmehr auch aus kirchlicher Sicht Unrecht.

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3. Bruno                          HEGEL, Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie/..../         

Giordano Bruno ist eben ein in ähnlicher Weise unruhiges und gärendes Gemüt.
 [wie
Thomas Campanella]  
Wir sehen in ihm ein kühnes Wegwerfen alles katholischen Autoritätsglaubens.
In neueren Zeiten ist er durch Jacobi in Erinnerung gebracht. Seinen Briefen über Spinoza hing er einen Auszug aus einer Schrift desselben an 2) und parallelisierte ihn mit Spinoza; dadurch ist er zu einem Ruhm gekommen, der über sein Verdienst geht.
Er war ruhiger als Cardanus; aber auf der Erde hatte er keinen festen Sitz.
Er ist aus Nola im Neapolitanischen gebürtig, lebte auch im 16. Jahrhundert; es ist nicht genau bekannt, in welchem Jahre er geboren war. Er trieb sich in den meisten europäischen Staaten, Italien, Frankreich, England, Deutschland, als Lehrer der Philosophie umher, verließ Italien, wo er, zuerst Dominikanermönch, bittere Anmerkungen über manche katholische Glaubenslehre - die Transsubstantiation, die unbefleckte Empfängnis Marias -, teils über die krasse Unwissenheit und lasterhafte Lebensart der Mönche machte.
Er lebte dann in Genf 1582, wo er es aber ebenso mit Calvin und Beza verdarb (es war unmöglich für ihn, mit ihnen zu leben), in anderen französischen Städten (Lyon), darauf in Paris,
wo er 1585 selbst feierlich gegen die Aristoteliker auftrat, nach einer beliebten Manier der damaligen Zeit philosophische Thesen zur öffentlichen Disputation darüber anschlug. 3)

Brunos Thesen waren besonders gegen Aristoteles gerichtet; er machte aber kein Glück, die Aristoteliker saßen noch zu fest. Bruno war auch in England (London);
auch in Deutschland, in Wittenberg (1586), Prag und anderen Universitäten und Städten.
In Helmstedt (1589) wurde er von den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg sehr begünstigt; darauf ging er nach Frankfurt am Main, wo er mehrere seiner Werke drucken ließ.
Überall hielt er öffentliche Vorträge, schrieb; und darum ist es auch so schwer, seine Bücher vollständig zu kennen. Zuletzt kehrte er nach Italien zurück, 1592, und lebte eine Zeitlang in Padua ungekränkt, wurde aber endlich von der Inquisition in Venedig ertappt, ins Gefängnis gesetzt, nach Rom geliefert und hier im Jahre 1600, weil er nicht widerrufen wollte, wegen Ketzerei auf dem Scheiterhaufen verbrannt; wie Augenzeugen (Scioppius) berichten, erduldete er seinen Tod mit sehr standhaftem Geiste.
Er war in Deutschland Protestant geworden und hatte sein Ordensgelübde gebrochen.

Unter Katholiken wie unter Protestanten wurden seine Schriften für ketzerisch und atheistisch ausgegeben und deshalb verbrannt, vertilgt und geheimgehalten. Seine Schriften sind sehr selten zusammen, die größte Anzahl davon befindet sich in der Universitätsbibliothek zu Göttingen; die ausführlichsten Nachrichten davon findet man in der Buhleschen Geschichte der Philosophie.
Seine Schriften sind selten, oft verboten; in Dresden gehören sie noch immer zu den verbotenen Schriften, so werden sie in Dresden nicht gezeigt. Kürzlich wurde davon eine Ausgabe in italienischer Sprache besorgt 4) , die vielleicht noch nicht einmal erschienen ist;  Bruno hat aber auch vieles lateinisch geschrieben.
- Bruno verfaßte und gab Schriften überall heraus, wo er hinkam; er hielt sich eine Zeitlang auf und war ein wandernder Professor und Schriftsteller. Seine Schriften sind daher (viele) gleichen Inhalts (eines doppelten), nur in einer verschiedenen Form; und in der Evolution seiner Gedanken kam er daher eigentlich nie recht weiter und heraus.

Aber der Hauptcharakter seiner Schriften ist eigentlich einerseits eine schöne Begeisterung eines Selbstbewußtseins, das den Geist sich inwohnen fühlt und die Einheit seines Wesens und alles Wesens weiß.
Es ist etwas Bacchantisches in diesem Ergreifen dieses Bewußtseins; es fließt über, diesen Reichtum auszusprechen und sich so zum Gegenstande zu werden.
Aber es ist nur das Wissen, in welchem der Geist sich als Ganzes ausgebären kann.
Wenn er diese wissenschaftliche Bildung noch nicht erreicht hat, so greift er nur nach allen Formen herum, ohne sie gehörig zu ordnen. Einen solchen ungeordneten, mannigfaltigen Reichtum zeigt Bruno, und dadurch gewinnen seine Expositionen häufig ein trübes, verworrenes, allegorisches Aussehen, - mystische Schwärmerei.
Der großen inneren Begeisterung opfert er seine persönlichen Verhältnisse auf; so ließ sie ihn nicht ruhig. Es ist gleich gesagt, sein unruhiger Kopf, der sich nicht habe vertragen können".
Woher diese Unruhe? Nicht mit dem Endlichen, Schlechten, Gemeinen konnte er sich vertragen, - dadurch seine Unruhe.
Er hat sich erhoben zu der einen, allgemeinen Substantialität, - diese Trennung, Erniedrigung des Selbstbewußtseins ebenso als der Natur aufgehoben.
Gott war wohl im Selbstbewußtsein, doch von außen und zugleich ein ihm Anderes, eine andere Wirklichkeit: die Natur von Gott gemacht, Geschöpf, kein Bild seiner.
Die Güte Gottes war nur äußerlich in Endursachen, endlichen Zwecken: die Bienen machen Honig für die Nahrung des Menschen; der Korkbaum wächst, um Stöpsel auf den Bouteillen zu haben.

Was seine Gedanken selbst betrifft, so hat Jacobi neuerlich große Aufmerksamkeit auf ihn erregt, indem die Summe seiner Lehre das Spinozistische Eins und Alles oder im ganzen der Pantheismus sei, und dies unter der Form aufgestellt, als ob dies etwas den Bruno besonders Auszeichnendes sei, daß ein lebendiges Wesen, eine Weltseele das Ganze durchdringe und das Leben von allem sei. Bruno stellte
α) die Einheit, Allgemeinheit der Weltseele, des Lebens auf,
β) die gegenwärtige, inwohnende Vernunft. Allein in der Tat ist diese Lehre nichts anderes als ein Widerhall der alexandrinischen, und Bruno ist darin nichts weniger als original. Aber am Inhalt seiner Schriften heben sich zwei Seiten heraus: die eine Seite ist
1. die seines Systems, seinen Hauptgedanken nach, seine philosophischen Prinzipien überhaupt,
- die Idee, als substantielle Einheit;
2. die Unterschiede in derselben, das, was er besonders geltend machen wollte; die andere, mit jener jedoch zusammenhängende Seite ist seine Lullische Kunst, auf die er eigentlich gereist ist und auf die er auch immer das meiste gehalten hat.

1. Philosophische Gedanken. Es sind zum Teil Aristotelische Begriffe, die er gebraucht.
In den vielerlei Schriften des Bruno zeigt sich vornehmlich die Begeisterung des Gedankens und seines ganzen Lebens; seine Philosophie zeugt von einem eigentümlichen, überlebendigen und sehr originellen Geist. Der Inhalt seiner allgemeinen Gedanken ist die Begeisterung für die schon erwähnte Lebendigkeit der Natur, Göttlichkeit, Gegenwart der Vernunft in der Natur. So ist seine Philosophie im allgemeinen Spinozismus, Pantheismus.
Diese Trennung der Menschen von Gott oder der Welt, alle diese Verhältnisse der Äußerlichkeit sind hineingeworfen in seine lebendige Idee der Einheit von allem.
Die Einheit des Lebens, wegen deren Aussprechen Bruno so bewundert worden, ist die absolut allgemeine Einheit. Die Hauptformen seiner Vorstellung sind diese, daß er einerseits die allgemeine Bestimmung der Materie, andererseits die der Form gibt.

a) Diese allgemeine Einheit bestimmt er also als "den allgemeinen, tätigen Verstand (νους),
der sich als allgemeine  Form des Weltalls offenbart, alle Formen in sich faßt und, wie der Verstand des Menschen eine Menge Begriffe bildet, so auch bildet und systematisiert.
Er verhält sich zur Hervorbringung der Naturdinge wie der Verstand des Menschen; er ist der innerliche Künstler, der von innen die Materie bildet und gestaltet. Aus dem Innern der Wurzel oder des Samenkorns sendet er die Sprosse hervor; aus dieser treibt er dann die Äste, aus diesen die Zweige, aus dem Innern der Zweige die Knospen, Blätter, Blumen usf.
Es ist alles innerlich angelegt, zubereitet und vollendet." 5)
Dieses ist der formale Verstand, der Endursache, Zweckbestimmung ist; er ist aber ebensowohl auch wirkender Verstand (causa efficiens), eben dies Hervorbringende. 6)

Der Unterschied von Mittelursache und Endursache ist sehr wichtig. Die innere Form ist als Form nach Bruno Begriff, Endursache, aristotelischer Zweck, aber ebenso auch Mittelursache. Natur und Geist sind nicht getrennt, - formaler Verstand, in welchem der Begriff nicht als gewußter enthalten, sondern für sich freier: als Einheit, in sich bleibender; als wirkender, außer sich gehender.

"Ebenso ruft er von innen auch seine Säfte aus den Früchten und Blüten zu den Zweigen zurück" usf.
So ist bei Proklos der Verstand als Substantielles, das alles in seinem Eins in sich hält: das Leben das Herausgehende, Produzierende, - der Verstand als solcher eben dies Umkehrende, alles in die Einheit Zurücknehmende.
- Jene Form des Dings ist sein inneres Verstandesprinzip, sein Hervorbringendes Ursache; aber beides ist nicht verschieden, sondern die Form selbst Ursache, eben dadurch
Endursache, - bei Aristoteles das Unbewegte, das Prinzip, der reine Begriff, Entelechie.
Das Weltall ist ein unendliches Tier, in welchem alles auf die mannigfaltigste Weise lebt und webt. 7) Der nach einem Zweck wirkende Verstand ist, der eine Form ist: was immer produziert wird, ist dieser Form gemäß und unter ihr enthalten; was hervorkommt, das ist so, wie die Form an sich bestimmt ist. Bei der Kantischen Philosophie werden wir diese Zweckbestimmung auch zu erwähnen haben.
Das organisch Lebendige, dessen Prinzip die Lebendigkeit ist, das Bildende, das in sich seine Wirksamkeit hat und in derselben nur bei sich bleibt, sich erhält, das ist Zweck. Zweck ist die Tätigkeit, aber die in sich bestimmte Tätigkeit, die in ihrem Verhalten zu anderem nicht als bloße Ursache sich verhält sondern in sich zurückgeht, sich erhält. Das ist nun diese Form.

b) Bruno, der die Endursache unmittelbar als wirkend und als immanentes Leben des Universums setzt, setzt sie dann ferner auch als seiend, als Substanz. (Er ist also gegen die Vorstellung eines bloß außerweltlichen Verstandes gerichtet.) Insofern unterscheidet Bruno Form und Materie an der Substanz; sie ist jene Einheit der Tätigkeit und des Verstandes (der Idee), - zusammen Form und Materie.
Die Hauptsache bei ihm ist, daß er die Einheit der Form (des Tätigen) und der Materie festhält, daß die Materie an ihr selbst lebendig ist. An diesem Seienden sehen wir unendliche Verwandlungen.
Das Bleibende dieser sich Verwandelnden in diesen Unterschieden des Formierens ist nun die Materie; sie ist die erste, absolute Materie. Dies abstrakt gesagt, ist sie nur das Formlose, aber die Mutter aller Formen und das aller Formen Fähige.
Die Form ist ihr immanent, ist identisch mit ihr, so daß sie selbst diese Veränderungen, Umbildungen setzt, selbst hervorbringt; sie geht durch alle hindurch. Eins ist aber schlechthin nicht ohne das andere. Weil die Materie nicht ohne die erste allgemeine Form ist, so ist sie selbst Prinzip oder Endursache an ihr selbst. Nur an den endlichen Dingen und in den endlichen Verstandesbestimmungen ist dieser Unterschied von Form und Sein (Materie) vorhanden.
Dieselbe Materie geht alle Verwandlungen durch: "Was erst Same war, wird Gras, hierauf Ähre, alsdann Brot, Nahrungssaft, Blut, tierischer Same, ein Embryo, ein Mensch, ein Leichnam, dann wieder Erde, Stein oder andere Masse" usf.; aus Sand und Wasser werden Frösche.
"Hier erkennen wir also etwas, welches, obwohl es sich in alle diese Dinge verwandelt, doch an sich immer ein und dasselbe bleibt." 8)
"Weil sie alles ist, ist sie nichts insbesondere": nicht Luft, Wasser, - eben das Abstrakte.
"Materia nullas habetdimensiones, ut omneshabeat."
- "Diese Materie kann weder Körper sein, denn die sind geformt, noch zu dem gehören, was wir Eigenschaften, Beschaffenheit, Qualitäten nennen; denn diese sind veränderlich.
- Hiermit scheint nichts ewig und des Namens eines Prinzips würdig als die Materie.
- Viele haben darum auch die Materie für das allein Reale und alle Formen für zufällig gehalten." 9)

Aber diese eine absolute Form ist identisch mit der einen allgemeinen Materie, die daher in ihr selbst das Prinzip des Wirkens und der Endursache hat. Sie ist also eben das Vorausgesetzte aller Körperlichkeit und daher selbst intelligibel, ein Allgemeines oder eben das Verständige wieder selbst, die Endursache an ihr selbst; sie ist die Ursache und die Endursache von allem. Der präformierende Verstand ist identisch mit der Materie, einem Intelligiblen, wovon die als unterschieden erscheinenden Dinge Modifikationen sind; beide sind intelligibel. Die Formen der Materie sind die innere Macht der Materie selbst; sie ist, als Intelligibles, selbst die Totalität der Form.
- Dieses System des Bruno ist so ganz objektiver Spinozismus; man sieht, wie tief er eingedrungen ist.

Er macht die Frage: "Aber die erste allgemeine Form und die erste allgemeine Materie, wie sind sie vereinigt, unzertrennlich? verschieden und doch ein Wesen?"
Er sagt: "Die Materie ist zu betrachten als Potenz, so fallen alle möglichen Wesen auf gewisse Weise unter ihren Begriff."
Da gebraucht er denn aristotelische Formen von δύναμις, potentia, Möglichkeit und Wirklichkeit.
Er sagt: "Die Passivität der Materie muß rein und absolut betrachtet werden.
Nun ist es unmöglich, einer Sache Dasein beizumessen, welcher das Vermögen (Kraft) dazusein gebräche. Dieses letztere bezieht sich aber so ausdrücklich auf den aktiven Modus, daß hieraus sogleich erhellt, wie der eine ohne den anderen nicht sein kann, sondern beide sich einander gegenseitig voraussetzen.
Wenn also von jeher ein Vermögen, zu wirken, hervorzubringen, zu erschaffen, da war, so mußte auch von jeher ein Vermögen, bewirkt, hervorgebracht und erschaffen zu werden, dasein.
" Die Materie als der Form entgegengesetzt, ist sie nur die potentia, δύναμις, Möglichkeit.
Ist die Materie das Unbestimmte, wie kommt man zum Bestimmten?
Diese Identität, Einfachheit der Materie ist selbst nur eineBestimmung,einMoment der Form.
Indem man also die Materie der Form entreißen wollte, hat man sie zugleich in einerBestimmung der Form gesetzt; damit ist aber auch sogleich das andere gesetzt.
"Die vollkommene Möglichkeit des Daseins der Dinge (die Materie) kann vor ihrem wirklichen Dasein nicht vorhergehen und ebensowenig nach demselben übrigbleiben.
- Das erste und vollkommenste Prinzip faßt alles Dasein in sich, kann alles sein und ist alles.
Tätige Kraft und Potenz, Möglichkeit und Wirklichkeit sind in ihm also ein unzertrenntes und unzertrennliches Prinzip." 10)
Es ist eine sehr wichtige Bestimmung, die darin liegt: wenn eine wirkende Kraft gesetzt wird,
so liegt darin die Bestimmung eines Bewirktwerdens, Erschaffens der Materie. Diese Materie ist aber nichts ohne die Wirksamkeit; die Form ist das Vermögen und das innere Leben der Materie. 

So ist ihm das Absolute bestimmt, "nicht so die anderen" (endlichen) "Dinge, welche sein und auch nicht sein, so oder anders bestimmt sein können. Der einzelne Mensch ist in jedem Augenblick, was er in diesem Augenblick sein kann, aber nicht alles, was er überhaupt und der Substanz nach sein kann. - Das Universum, die unerzeugte Natur ist aber alles, was sie sein kann, in der Tat (wirklich) und auf einmal, weil sie alle Materie nebst der ewigen, unveränderlichen Form ihrer wechselnden Gestalten in sich faßt. Aber in ihren Entwicklungen von Moment zu Moment, ihren besonderen Teilen, Beschaffenheiten, einzelnen Wesen, überhaupt ihrer Äußerlichkeit, ist sie nicht mehr, was sie ist und sein kann, sondern ein solcher Teil ist nur ein Schatten von dem Bilde des ersten Prinzips.
" So schrieb er auch ein Buch  De umbris idearum.

c) Dies ist seine Hauptidee. Diese Einheit von Form und Materie in allem zu erkennen, dies ist das Bestreben der Vernunft. Aber um zu dieser Einheit durchzudringen,
"alle Geheimnisse der Natur zu erforschen, müssen wir den entgegengesetzten und widerstreitenden äußersten Enden der Dinge, dem Maximum und dem Minimum nachforschen".
Eben in diesen Extremen ist es, daß sie intelligibel sind und in dem Begriff sich vereinigen;
und diese Vereinigung ist die unendliche Natur.
Er sagt nun:
"Aber den Punkt der Vereinigung zu finden, ist nicht das Größte, sondern aus demselben auch sein Entgegengesetztes zu entwickeln; dieses ist das eigentliche und tiefste Geheimnis der Kunst."11)
- Dies ist ein großes Wort, die Entwicklung der Idee so zu erkennen, daß sie eine Notwendigkeit von Bestimmungen ist. Wir werden nachher sehen, wie Bruno darauf gegangen, dies zu tun.

Über diesen Gegensatz des Minimum und Maximum hat Bruno mehrere eigene Werke geschrieben:
De triplici Minimo et Mensura, libri V, Frankfurt 1591; der Text sind Hexameter mit Noten und Scholien (bei Buhle ist der Titel De Minimo libri V);De Monade, Numero et Figura liber: Item de Innumerabilibus, Immenso et Infigurabili: seu de Universo et Mundis libri VIII, Frankfurt 1591.
Er stellt das Urprinzip (oder was anderswo die Form heißt) unter dem Begriff des Kleinsten vor, das zugleich das Größte ist, Eins, das zugleich alles.12)
Das Universum ist dieses Eins in allem.
"Im Universum", sagt er, "ist der Körper nicht vom Punkte, das Zentrum nicht von der Peripherie,
das Endliche nicht vom Unendlichen, das Größte nicht vom Kleinsten unterschieden.
Es ist lauter Mittelpunkt; oder sein Mittelpunkt ist überall und in allem. Die Alten drückten dies so aus, indem sie sagten von dem Vater der Götter, daß er wesentlich in jedem Punkte des Weltalls seinen Sitz habe.
" Es gibt den Dingen erst wahre Wirklichkeit, ist die Substanz aller Dinge, Monas, Atom, der allenthalben ausgegossene Geist, die ganze Essenz usf., reine Form.13)

- Dies ist nun die Grundidee des Bruno, die die Begeisterung einer edlen Seele und tiefes Denken ausdrückt. Diese Lebendigkeit der Natur wird mit der größten Begeisterung vorgetragen.
Viele Schriften sind in Versen; da ist Phantastisches, Allegorisches.
Ein Buch heißt  Vom triumphierenden Tiere. Er sagt, an die Stelle der Sterne müßte etwas anderes gesetzt werden.

2. Das Zweite nun, was damit zusammenhängt, worauf er besonders herumreiste, war die sogenannte Lullische Kunst von ihrem ersten Erfinder, dem Scholastiker Raimund Lullus, so genannt. Bruno hat dies aufgefaßt, ein Ähnliches getan und dies weiter vervollkommnet.
Diese Kunst ist von einer Seite dem ähnlich, was wir bei Aristoteles als Topik sahen,
- eine Menge von Örtern, Bestimmungen, die man als eine Tafel mit ihren Einteilungen in der Vorstellung befestigte, um diese Seiten bei allem Vorkommenden anzuwenden.
Die Alten gebrauchen eine solche Kunst für die Mnemonik, die damit verwandt ist, von der auch in neueren Zeiten wieder die Rede gewesen ist; und diese nahm Bruno auch auf, sie ist eine Kunst des Gedächtnisses. Man findet beim Auctor ad Herennium (III, c. 17) nähere Ausführung davon.
Man machte sich eine bestimmte Menge von unterschiedenen, nach Belieben zu wählenden Fächern in der Einbildungskraft fest (z. B. zwölf, zu drei untereinandergereiht), so Aaron, Abimelech, Achilles,
Berg, Baum, Herkules usf., worein man das im Gedächtnisse zu Behaltende gleichsam einstellte und es zu einer Reihe von Bildern machte und so beim Hersagen, nicht wie wir es gewohnt sind, wenn wir sagen, aus dem Gedächtnisse sprechen, nicht aus dem Kopfe ohne Vorstellung heraus, sondern gleichsam von einer Tafel nur ablas.
Die auswendig zu lernenden Worte müssen nun mit diesem Tableau in Verbindung gebracht werden. Die Schwierigkeit liegt nur darin, irgendeinen Witz, eine Verbindung zu machen zwischen dem Inhalt, den ich habe, und dem Bilde; das gibt die heillosesten Kombinationen, es ist dies auch eine schlechte Kunst. - Die Topik ist nicht sowohl zu diesem Behufe, sondern zum Auffassen und Bestimmen von verschiedenen Seiten.

Auf dieselbe Weise arbeitete Giordano Bruno und verfaßte auch viele Schriften darüber; er hat sie auch seine ars combinatoria genannt. Die ältesten topisch-mnemonischen Schriften des Bruno sind:
De compendiosa architectura et complemento artis Lullii, Paris 1582;
- De Umbris idearum, implicantibus Artem quaerendi etc., Paris 1582.
Der zweite Teil hat den Titel: Ars memoriae.
- Explicatio XXX sigillorum
etc.Quibus adjectus est Sigillus sigillorum etc.
Aus der Dedikation erhellt, daß es Bruno in England herausgab, also zwischen 1582 und 1585.
- De Lampade combinatoria lulliana, Wittenberg 1587. Ebendaselbst schrieb er: De Progressu et lampade venatoria Logicorum, 1587, dem Kanzler der Universität Wittenberg dediziert.
- De Specierum scrutinio et lampade combinatoria Raym. Lullii,  Prag 1588; auch abgedruckt in Raymundi Lullii operibus.
- Auch De imaginum, signorum et idearum compositione libri III, Frankfurt 1591.
- Bruno ist bald davon zurückgekommen. Die Sache des Gedächtnisses wurde Sache der Einbildungskraft; jenes ist aber höher. Mit dieser Mnemonik hängt die Lullische Kunst zusammen, aber so, daß bei Bruno das Tableau nicht nur ein Gemälde von äußerlichen Bildern ist, sondern ein System von Gedankenbestimmungen, allgemeinen Vorstellungen; Bruno hat der Kunst eine tiefere innere Bedeutung gegeben.

a) Bruno geht zu dieser Kunst über von den allgemeinen Ideen, die gegeben sind.
Weil nämlich  ein Leben, ein Verstand alles ist, so hat er die dunkle Ahnung gehabt, diesen allgemeinen Verstand in der Totalität seiner Bestimmungen aufzufassen und alles darunter zu subsumieren,
- eine logische Philosophie darin aufzustellen und sie anwendbar auf alles zu machen.
"Der Gegenstand der Betrachtung in ihr ist das Universum, sofern es unter das Verhältnis des Wahren, Erkennbaren und Vernünftigen tritt."
Er unterscheidet, wie Spinoza, das intelligible Ding der Vernunft und das wirkliche.
"Wie die Metaphysik das allgemeine Ding, das sich in Substanz und Akzidenz teilt, zum Gegenstande macht, so ist die Hauptsache, daß es eine einzige und allgemeinere Kunst gibt, die das Ding der Vernunft mit dem wirklichen Dinge so verknüpfe und umfasse" und als übereinstimmend miteinander anerkenne, "wodurch die Menge, sie sei, welcher Art sie wolle, zur einfachen Einheit zurückgeführt werde."
14)

b) Das Prinzip hierbei ist dem Bruno der Verstand überhaupt: einmal "der außer sich tätige Verstand" (die Sinnlichkeit zum Dasein entfaltend, er ist die sinnliche Welt), "er verhält sich zur Erleuchtung des Geistes wie die Sonne zum Auge", - er bezieht sich auf eine scheinende Menge, erleuchtet sie, nicht sich selbst. Das Andere ist "der tätige Verstand an sich selbst, der sich zu den denkbaren Arten verhält wie das Auge zu den sichtbaren Dingen". 15)
Die unendliche Form, der tätige Verstand ist das Erste, die Grundlage; dieser entwickelt sich.
Er ist, wie die Neuplatoniker diese Form haben; er geht zum Teil in Proklos' Manier fort.
Der Verstand ist also inwohnend mit der Materie. - Es ist nun dem Bruno wesentlich darum zu tun, die Organisierungen dieses tätigen Verstandes näher aufzufassen und nachzuweisen.

c) Näher ist dieses auf folgende Weise dargestellt: "Der reinen Wahrheit selbst, dem absoluten Lichte, nähert sich der Mensch nur; sein Sein ist nicht das absolute Sein selbst, das nur das Eine und Erste ist. Er ruht nur unter dem Schatten der Idee, - eine Idee, deren Reinheit das Licht ist, die aber zugleich Teil an der Finsternis hat. Das Licht der Substanz emaniert aus diesem reinen Urlichte, das Licht der Akzidenz aus dem Lichte der Substanz." Diese war auch bei Proklos das Dritte im Ersten.
- Dieses absolute Prinzip in seiner Einheit ist ihm die materia prima, und den ersten Akt dieses Prinzips nennt er das Urlicht (actus primus lucis).
"Die vielen Substanzen aber und Akzidenzen können nicht das volle Licht aufnehmen, sie sind also nur im Schatten des Lichts enthalten; ebenso sind die Ideen davon Schatten." 16)
Die Entwicklung der Natur geht fort von Moment zu Moment; die erschaffenen Dinge sind nur ein Schatten des ersten Prinzips, nicht mehr dieses selbst.

d) "Von diesem superessentiale (ὑπεϱουσία bei Proklos) geschieht der Fortgang zu den Essenzen,
von den Essenzen zu dem, was ist, von dem, was ist, zu ihren Spuren, Bildern und Schatten",
und zwar in doppelter Richtung: "zum Teil gegen die Materie, um in ihrem Schoße erzeugt zu werden", - diese sind dann auf natürliche Weise vorhanden;  "zum Teil gegen die Empfindung und Vernunft, um durch ihr Vermögen erkannt zu werden." Ferner:
"Die Dinge entfernen sich von dem Urlicht zur Finsternis. Da aber alle Dinge im Universum genau zusammenhängen, das Untere mit dem Mittleren und dieses mit dem Oberen, das Zusammengesetzte mit dem Einfachen, das Einfache mit dem Einfacheren, das Materielle mit dem Geistigen, damit ein Universum, eine Ordnung und Regierung desselben, ein Prinzip und Zweck, ein Erstes und Letztes sei, so kann nach dem Tone der Leier des allgemeinen Apollo" - Ausdruck des Heraklit - "das Untere stufenweise zum Oberen zurückgeführt werden, wie das Feuer in Luft, Luft in Wasser, Wasser sich in Erde verdichtet und umgekehrt, daß aller einWesen ist. Jener Fortgang herab ist derselbe als dieser Rückgang" und ist ein Kreis. "Die Natur innerhalb ihrer Grenzen kann alles aus allem hervorbringen und so der Verstand auch alles aus allem erkennen."
17)

e) Die Einheit der Entgegengesetzten wird näher erörtert: "Die Verschiedenheit der Schatten ist kein wahrer Widerstreit. In demselben Begriffe werden die Entgegengesetzten das Schöne und Häßliche, das Schickliche und Unschickliche das Vollkommene und Unvollkommene, das Gute und Böse erkannt. Unvollkommenes, Böses, Häßliches beruhen nicht auf besonderen eigenen Ideen; sie werden in einem anderen Begriffe erkannt, nicht einem eigentümlichen, der nichts ist.
Denn das Eigentümliche ist das nonens in ente, defectus in effecto."
"Der erste Verstand ist das Urlicht; er strömt sein Licht aus dem Innersten zu dem Äußersten und zieht es vom Äußersten wieder an sich. Jedes Wesen kann nach seiner Fähigkeit etwas von diesem Lichte auffassen."
18)

f) "Dies reine Licht der Dinge ist nun ihre Erkennbarkeit, die vom ersten Verstande ausgeht und nach ihm gerichtet ist und was die Erkennbarkeit begleitet"; das nonens wird nicht erkannt.
"Das Wirkliche an den Dingen ist" eben jenes Intelligible, "nicht das Sinnliche (Empfundene) oder das Individuelle"; was sonst wirklich genannt wird, Sinnliches, ist das Nichtsein.
"Was unter der Sonne geschieht, was die Region der Materie bewohnt, fällt unter den Begriff der Eitelkeit (Endlichkeit).
Von den Ideen suche das Feste der Vorstellungen, wenn du verständig bist."
"Was hier Kontrast und Verschiedenheit ist, ist im Urverstande Harmonie und Einheit. Versuche es also (tenta igitur), ob du die empfangenen Bilder identifizieren, übereinstimmend machen und einen könnest, so wirst du deinen Geist nicht ermüden, dein Denken nicht trüben und das Gedächtnis nicht verwirren."
19)

Die Unterschiede, die hier so gegeben sind, sind keine; alles ist Harmonie.
Dies zu entwickeln hat er also versucht, und die Bestimmungen, als natürliche in diesem, entsprechen dann denen, die im subjektiven Verstande erscheinen.
"Durch die Idee, welche im Verstande ist, wird etwas besser begriffen als durch die Form des Naturdings an sich selbst, weil die letztere materieller ist; aber am höchsten durch die Idee vom Gegenstande, wie sie im göttlichen Verstand ist." 20)
Und Brunos Kunst besteht nun darin, das allgemeine Schema der Form zu bestimmen, welches alles unter sich begreift, und zu zeigen, wie seine Momente sich in den verschiedenen Sphären des Daseins ausdrücken. Ein Hauptbemühen des Bruno war, das All und Eine nach der Lullischen Kunst als ein System von Klassen geordneter Bestimmungen darzustellen.

Da gibt er nun an die drei Sphären:
"α) die Urform (ὑπεϱουσία), Urheber aller Formen;
β) die physische Welt, welche die Spuren der Idee der Oberfläche der Materie aufdrückt und das Urbild in zahllosen entgegenstehenden Spiegeln vervielfältigt;
γ) die Form der vernünftigen Welt, welche die Schatten der Ideen für die Sinne numerisch individualisiert" (in das Eins bringt), "und für den Verstand zu allgemeinen Begriffen erhebt.
Die Momente der Urform selbst (ὑπεϱουσία) heißen Sein, Güte" (Natur, Leben) "und Einheit";
dies haben wir ungefähr gesehen bei Proklos.
"In der metaphysischen Welt ist sie Ding, Gutes, Prinzip der Mehrheit (ante multa); in der physischen Welt offenbart sie sich in Dingen, Gütern, Individuen; in der vernünftigen Welt" (Erkennen) "entspringt sie aus Dingen, Gütern und Individuen." 21)
Die Einheit ist das Zurückführende, und er hat dann die natürliche und metaphysische Welt; und er sucht das System dieser Bestimmungen aufzustellen und zu zeigen, wie dies auf natürliche Weise erscheint, was auf andere Weise als Gedachtes ist.

Indem nun Bruno diesen Zusammenhang näher zu fassen suchte, betrachtet er das Denken als eine subjektive Kunst der Seele (Tätigkeit), im Innern (nach seiner Vorstellung) "gleichsam durch innere Schrift darzustellen, was die Natur äußerlich gleichsam durch äußere Schrift darstellt"; und das Denken ist Fähigkeit, "sowohl diese äußere Schrift der Natur in sich aufzunehmen, als die innere Schrift in der äußeren abzubilden und zu verwirklichen.
Diese Kunst des inneren Denkens und äußeren Organisierens nach demselben und umgekehrt, wie sie die menschliche Seele hat, setzt Bruno in die innigste Verbindung mit der Kunst der Natur des Universums", mit der Wirksamkeit des absoluten "Weltprinzips überhaupt, wodurch alles geformt und gebildet wird"; es ist eine Form, die sich entwickelt.
"Es ist dasselbe Weltprinzip, das in den Metallen, Pflanzen, Tieren bildet und das in dem Menschen denkt und außer sich organisiert, nur daß es sich in seinen Wirkungen auf eine unendlich verschiedene Weise äußert" 22) , in der ganzen Welt ausdrückt. Im Inneren und Äußeren ist mithin eine und dieselbe Entwicklung eines und desselben Prinzips.

Diese "verschiedenen Schriftarten der Seele, durch welche sich auch das organisierende Weltprinzip offenbart", hat Bruno systematisieren wollen. Diese Schriftarten sind es, die er zu bestimmen sucht. Diese verschiedenen Schriftarten darzustellen, darauf geht Brunos andere Tätigkeit, seine Ars lulliana; und er nimmt darin zwölf Grundschriftarten, Gattungen der Naturformen an, von denen er ausgeht: " 'Species, Formae, Simulacra, Imagines, Spectra, Exemplaria, Indicia, Signa, Notae, Characteres et Sigilli. 
Einige Schriftarten beziehen sich auf den äußeren Sinn wie die äußeren Formen, Bilder und Ideale (extrinseca forma, imago, exemplar), welche die Malerei und andere bildende Künste, indem sie die Mutter Natur nachahmen, darstellen. Einige beziehen sich auf den inneren Sinn, wo sie in Ansehung des Maßes, der Dauer, der Zahl vergrößert in der Zeit ausgedehnt und vervielfältigt werden; dergleichen sind die Erzeugnisse der Phantasie. Einige beziehen sich auf einen gemeinschaftlichen Punkt der Gleichheit mehrerer Dinge; einige weichen von der objektiven Beschaffenheit der Dinge so ab, daß sie ganz erträumt sind. Einige endlich scheinen der Kunst eigentümlich zu sein, wie die signa, notae, characteres et sigilli, durch welche die Kunst soviel vermag, daß sie unabhängig von der Natur, über die Natur hinaus und, wenn es die Sache mit sich bringt, sogar gegen die Natur handeln zu können scheint.'"
23)

Soweit geht im ganzen alles gut; es ist die Ausführung desselben Schemas in allen Polen.
Alle Hochachtung verdient dieser Versuch, das logische System des inneren Künstlers, des produzierenden Gedankens so darzustellen, daß ihm die Gestaltungen der äußeren Natur entsprechen. Die Bestimmungen des Denkens werden aber zugleich (bei der sonst großen Weise des Bruno) dennoch hier oberflächlich, zu toten Typen, wie in neueren Zeiten die Schemata der Naturphilosophie; an jeder Sphäre selbst absolut betrachtet, an ihr als solcher, wurde jene Dreiheit entwickelt.
- Dann eben dies Nähere oder die bestimmteren Momente sind von Bruno nur zusammengelesen;
es geht in Verwirrung über, durch Figuren und Klassifikationen sucht er sie darzustellen.
Zwölf Formen sind zugrunde gelegt, weder jede abgeleitet - und in ein Ganzes zusammengeeint oder als ein System - noch die fernere Vervielfältigung.
Darüber hat er mehrere Schriften geschrieben (De sigillis); das Erscheinen der Dinge sind Buchstaben, Zeichen, die dann einem Denken entsprechen. Und in verschiedenen Schriften scheint auch diese Darstellung verschieden. Die Idee ist im allgemeinen zu loben gegen die aristotelische und scholastische Zerstreuung, die jede Bestimmtheit überhaupt nur fixierten. Aber er zählt die Gegensätze, Momente des Schemas nur auf. Die Ausführung ist teils an die pythagoreischen Zahlen angeknüpft, so kunterbunt und willkürlich, - metaphorische, allegorische Zusammenstellungen und Paarungen, wo man ihm gar nicht folgen kann; es läuft hier in diesem Versuche zu ordnen alles aufs Unordentlichste durcheinander.

Es ist ein großer Anfang, die Einheit zu denken; und das andere ist dieser Versuch, das Universum in seiner Entwicklung, im System seiner Bestimmungen aufzufassen und zu zeigen, wie das Äußerliche ein Zeichen ist von Ideen. - Dies sind die beiden Seiten, die von Bruno aufzufassen waren.

 

2) Giordano Bruno, De la causa, principio et uno, Venedig 1584; Jacobi, Werke, Bd. IV, Abt. 2, S. 5-46

3) Jordanus Brunus Nolanus, Rationes articulorum physicorum adversus Peripateticos Parisiis propositorum, Wittenberg 1588

4) Opere di Giordano Bruno Nolano, ora per la prima volta raccolte e publicate da Adolfo Wagner in due volume, Leipzig 1830

5) Jacobi, Werke, Band IV, Abt. 2, S. 7-9; Tennemann, Bd. IX, S. 391-392; Giordano Bruno, De la causa, principio et uno, Dialog II (Opere I, p. 235-236)

6) Jacobi, Werke, Band IV, Abt. 2, S. 7; Tennemann, Bd. IX, S. 391; Giordano Bruno, l. c., p. 235

7) Jacobi, Werke, Band IV, Abt. 2, S. 9-18; Tennemann, Bd. IX, S. 392-394; Giordano Bruno, l. c., p. 236-243

8) Jacobi, Werke, Band IV, Abt. 2, S. 19-22; Tennemann, Bd. IX, S. 394-395; Giordano Bruno, l. c., Dial. III, p. 251-253

9) Jacobi, Werke, Band IV, Abt. 2, S. 30-31, 22-23; Tennemann, Bd. IX, S. 395-396; Giordano Bruno, l. c., p. 254-257, 273-274

10) Jacobi, Werke, Band IV, Abt. 2, S. 23-25; Tennemann, Bd. IX, S. 396; Giordano Bruno, l. c., p. 260-261

11) Jacobi, Werke, Band IV, Abt. 2, S. 28, 32, 45; Tennemann, Bd. IX, S. 398, 399, 403-404; Giordano Bruno, l. c., Dial. IV-V, p. 264, 291

12) De Minimo, p. 10, 16-18

13) Jacobi, Werke, Band IV, Abt. 2, S. 37-39; Tennemann, Bd. IX, S. 401-402; Giordano Bruno, De la causa, principio et uno, Dial. V, p. 281-284

14) Buhle, Geschichte der neueren Philosophie, Bd. II, S. 715; Giordano Bruno, De compendiosa architectura et complemento artis Lullii (Jordani Bruni Nolani scripta, quae latine confecit, omnia, ed. A. Fr. Gfrörer, Stuttgart 1835, Fasc. II), c. 1, p. 238-239

15) Buhle, Geschichte der neueren Philosophie, Bd. II, S. 717; Giordano Bruno, l. c., c. 2-3, p. 238-239

16) Buhle, Geschichte der neueren Philosophie, Bd. II, S. 723-724; Giordano Bruno, De Umbris idearum (Jord. Bruni Nolani scripta, ed. A. Fr. Gfrörer, Fasc. II): Triginta intentiones umbrarum, Intentio I-IV, p. 300-302

17) Buhle, Geschichte der neueren Philosophie, Bd. II, S. 724-726; Giordano Bruno, De Umbris idearum, Intentio V-IX, p. 302-305

18) Buhle, Geschichte der neueren Philosophie, Bd. II, S. 727; Giordano Bruno, l. c., Intentio XXI, p. 310; De triginta idearum conceptibus, Conceptus X, p. 319

19) Buhle, Geschichte der neueren Philosophie, Bd. II, S. 730-732; Giordano Bruno, De umbris idearum, Conceptus VII, X, XIII, p. 318-320

20) Buhle, Geschichte der neueren Philosophie, Bd. II, S. 733-734; Giordano Bruno, l. c., Conceptus XXVI, p. 323-324

21) Buhle, Geschichte der neueren Philosophie, Bd. II, S . 745; Giordano Bruno, Explicatio triginta sigillorum: Sigillus Sigillorum II, § 11

22) Buhle, Geschichte der neueren Philosophie, Bd. II, S. 734; vgl. Giordano Bruno, De Umbris idearum: Ars Memoriae I-XI, p. 326-330

23) Buhle, Geschichte der neueren Philosophie, Bd. II, S. 734-735; vgl. Giordano Bruno, l. c., XII, p. 330-331

 


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