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120px-Pythagoras

wikipedia.Pythagoras

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Pythagoras von Samos
* um 570 v. Chr.;
 ÔÇá nach 510 v. Chr. in Metapont in der Basilicata)
- antiker griechischer Philosoph (Vorsokratiker);
  Gr├╝nder einer einflussreichen religi├Âs-philosophischen Bewegung.

Pythagoras und die Pythagoreer

Die Nachrichten von seinem Leben sind mit vielen sp├Ąteren Fabeln verunstaltet.
Die sp├Ąteren Neupythagoreer haben viele gro├če Lebensbeschreibungen von ihm gemacht, sie sind besonders ├╝ber den pythagoreischen Bund sehr weitl├Ąufig; aber man mu├č sich in acht nehmen, dies nicht als geschichtlich gelten zu lassen.

Das Leben des Pythagoras erscheint uns zun├Ąchst in der Geschichte, durch das Medium der Vorstellungsweise der ersten Jahrhunderte nach Christi Geburt, in dem Geschmacke mehr oder weniger, wie das Leben Christi uns erz├Ąhlt wird, auf dem Boden gemeiner Wirklichkeit, nicht in einer poetischen Welt, als ein Gemisch von wunderbaren, abenteuerlichen Fabeln, als ein Zwitter von morgen- und abendl├Ąndischen Vorstellungen.
An das Ausgezeichnete seines Genies und seiner Lebensweise und der Lebensweise, die er bei seinen Sch├╝lern einf├╝hrte, ist gekn├╝pft worden,
da├č man ihn als einen Mann erscheinen l├Ą├čt, bei dem es nicht mit rechten Dingen zugegangen, sondern der f├╝r einen Wundermann, f├╝r einen Gesellschafter h├Âherer Wesen galt. Alle die Vorstellungen der Magier, die Vermischungen von Unnat├╝rlichem mit dem Nat├╝rlichen, die Mysterienkr├Ąmerei tr├╝ber, j├Ąmmerlicher Einbildung und Schw├Ąrmerei verdrehter K├Âpfe haben sich an ihn gekn├╝pft.

So verdorben, als seine Lebensgeschichte ist, ebenso verdorben wurde seine Philosophie - (Platons Aufnehmung war ganz unterschieden);
alles, was der christliche Tr├╝bsinn und Allegorismus ausgeheckt hat, ist damit verkn├╝pft worden. Zahlen als Ausdr├╝cke von Idee brauchen, ist viel gebraucht worden;
es hat einerseits den Schein von Tiefsinn, denn da├č eine andere Bedeutung darin liegt, als unmittelbar darin liegt, erhellt sogleich
- (Eins ist Zwei, und Drei macht Vier: das Hexeneinmaleins);
wieviel aber darin liegt, wei├č weder der, der es ausspricht, noch der, der sie zu verstehen sucht. Je tr├╝ber die Gedanken werden, desto tiefsinniger scheinen sie; die Hauptsache ist, da├č gerade das Wesentlichste, aber das Schwerste - in bestimmten Begriffen sich auszusprechen - erspart wird.
So kann auch seine Philosophie, indem auch hier in den Nachrichten von ihr auf sie ├╝bergetragen, demnach als eine ebenso dunkle und unsichere Ausgeburt tr├╝ber, flacher K├Âpfe erscheinen.

Zum Gl├╝ck, was seine Philosophie betrifft, so kennen vorz├╝glich wir ihre theoretisch spekulative Seite aus Aristoteles und Sextus Empiricus, die sich viel damit zu tun gemacht. Obgleich sp├Ątere Pythagoreer den Aristoteles wegen seiner Darstellung verunglimpfen, so ist er doch ├╝ber ein solches Verschreien erhaben, und es ist darauf keine R├╝cksicht zu nehmen.

Es sind in sp├Ąteren Zeiten eine Menge untergeschobener Schriften unter seinem Namen in die Welt gebracht worden.
Diogenes Laertios (VIII, ┬ž 6-7) f├╝hrt viele Schriften von ihm an und andere, die ihm untergeschoben worden, weil man ihnen eine Autorit├Ąt verschaffen wollte. Aber erstens haben wir keine Schriften von Pythagoras, zweitens ist es zweifelhaft, ob Schriften von Pythagoras vorhanden waren. Wir haben Anf├╝hrungen derselben, d├╝rftige Fragmente, aber nicht des Pythagoras, sondern der Pythagoreer. Welche Entwicklungen und Bedeutungen den ├Ąlteren und welche den neueren geh├Âren, ist nicht bestimmt zu unterscheiden. Bei Pythagoras und den ├Ąlteren Pythagoreern haben die Bestimmungen noch nicht die konkrete Ausf├╝hrung gehabt wie sp├Ąter.

Was die Lebensumst├Ąnde des Pythagoras betrifft,
so bl├╝hte er nach Diogenes Laertios (VIII, ┬ž 1-3; 45) um die 60. Olympiade (540 v. Chr.). Seine Geburt wird gew├Âhnlich in die 49.
oder 50. Olympiade (584 v. Chr.), von Larcher am fr├╝hsten,
schon in die 43. Olympiade (43, I, d. i. 608 v. Chr.) gesetzt.12)
Er ist also ein Zeitgenosse des Thales und Anaximander.
Wenn Thales' Geburt in die 38. Olympiade und Pythagoras' in die 43. f├Ąllt,
so ist Pythagoras nur 21 Jahre j├╝nger.
Von Anaximander (Ol. 42, 3) ist er entweder nur ein paar Jahre unterschieden oder dieser 26 Jahre ├Ąlter. Anaximenes ist etwa 20 bis 25 Jahre j├╝nger als Pythagoras. Sein Vaterland ist die Insel Samos, und er geh├Ârt daher ebenso den kleinasiatischen Griechen an, wo wir bisher den Sitz der Philosophie sahen.
Pythagoras ist bei Herodot (IV, 94-96) erw├Ąhnt als des Mnesarchos Sohn, bei dem Zamolxis in Samos als Sklave gedient habe. Zamolxis sei frei geworden, habe Reicht├╝mer erworben, sei F├╝rst der Geten geworden und habe behauptet, er und die Seinigen sterben nicht.
Er habe eine unterirdische Wohnung erbaut, dort sich den Augen seiner Untertanen entzogen, sei nach vier Jahren wieder erschienen.113) Herodot meint aber, Zamolxis sei wohl viel ├Ąlter als Pythagoras.

Seine Jugend brachte er am Hofe des Polykrates zu, unter dessen Herrschaft Samos damals nicht nur zum Reichtum, sondern auch zu Bildung und K├╝nsten gelangt war;
es besa├č in dieser gl├Ąnzenden Periode eine Flotte von hundert Schiffen.14) Sein Vater Mnesarchos war ein K├╝nstler (Steinschneider), doch weichen die Nachrichten sowie auch ├╝ber sein Vaterland ab, die angeben,
da├č seine Familie aus tyrrhenischer Abkunft sei und erst nach Pythagoras' Geburt nach Samos gezogen. Dem sei, wie ihm wolle; da er seine Jugend in Samos zubrachte, so ist er dort einheimisch geworden, geh├Ârt Samos an.

Als Lehrer des Pythagoras wird Pherekydes, ein Syrer, angef├╝hrt,
- d. h. nicht aus dem Lande Syrien, sondern aus der Insel Syros, einer der Zykladen. Er soll aus einem Brunnen Wasser gesch├Âpft und daraus erkannt haben, da├č ein Erdbeben in drei Tagen stattfinden werde; auch von einem Schiff mit vollen Segeln vorausgesagt, es werde untergehen, und es sei im Augenblicke untergegangen.
Von diesem Pherekydes berichtet Theopompos, da├č er zuerst den Griechen von der Natur und den G├Âttern (sic) geschrieben.15) Vorhin wurde von Anaximander dasselbe gesagt; es soll Prosa gewesen sein. Was sonst hiervon berichtet wird, so erhellt, da├č es eine Theogonie gewesen, deren erste Worte uns noch aufbewahrt: "Jupiter und die Zeit und die Erde waren eins"; auch hat er den Amor als ersten Beweger dieser Einheit genannt.16) Wie es weitergeht, ist uns unbekannt und ohne gro├čes Interesse - kein gro├čer Verlust.
Es werden mancherlei Todesarten angegeben. Einige sagen, er habe sich selbst umgebracht, andere, er sei an der L├Ąusekrankheit gestorben.17)

Pythagoras reiste fr├╝h auf das feste Land nach Kleinasien und soll dort Thales kennengelernt haben. Dann reiste er von da nach Ph├Ânizien und ├ägypten.18) Mit beiden L├Ąndern standen die kleinasiatischen Griechen in vielen Handels- und politischen Verbindungen, und es wird erz├Ąhlt, da├č er von Polykrates dem K├Ânige Amasis empfohlen worden sei.
Amasis zog viele Griechen in das Land; er hatte griechische Truppen und Kolonien.19) Die Erz├Ąhlungen weiterer Reisen ins Innere von Asien zu den persischen Magiern und Indern scheinen ganz fabelhaft zu sein.
Das Reisen war Bildungsmittel, wie jetzt. Da er in wissenschaftlicher Absicht reiste, so wird von ihm erz├Ąhlt, da├č er in fast alle Mysterien der Griechen und Barbaren sich habe einweihen lassen, ebenso in den Orden oder Kaste der ├Ągyptischen Priester aufgenommen worden sei.

Diese Mysterien, die wir bei den Griechen antreffen und die f├╝r den Sitz gro├čer Weisheit gehalten worden, scheinen in der Religion zur Religion in dem Verh├Ąltnis gestanden zu haben wie Lehre und Kultus.
Der Kultus bestand allein in Opfern und festlichen Spielen.
Zur Vorstellung aber, zu einem Bewu├čtwerden dieser Vorstellungen sehen wir darin kein Moment; als Tradition in den Ges├Ąngen behielten sie sich auf. Aber das Lehren selbst oder das gegenw├Ąrtige Zum-Vorstellen-Bringen scheint den Mysterien aufbehalten gewesen zu sein, - so jedoch, da├č nicht nur, wie bei unserem Predigen, das Vorstellen, sondern auch der K├Ârper in Anspruch genommen wurde, da├č dem Menschen von der Zerstreuung durch die ganze Umgebung sowohl an ihm selbst das Verlassen des sinnlichen Bewu├čtseins als die Reinigung und Heiligung des K├Ârpers vorgestellt wurde. Von Philosophemen ist aber darin offenbar keine Rede. Wie sie nicht Geheimnis20) , so kennen wir auch die Freimaurer; sie haben nichts Ausgezeichnetes durch Kenntnisse, Wissenschaften - am wenigsten Philosophie.

Den wichtigsten Einflu├č auf Pythagoras hatte seine Verbindung mit der ├Ągyptischen Priesterkaste; nicht da├č er tiefe spekulative Weisheit darin gesch├Âpft h├Ątte, sondern durch die Idee, die er darin von der Realisierung des sittlichen Bewu├čtseins fa├čte, von der Ausf├╝hrung und Verwirklichung der sittlichen Existenz des Menschen121) , die Sittlichkeit zur Wirklichkeit zu bringen, - ein Plan, den er nachher ausf├╝hrte und der eine ebenso interessante Erscheinung ist als seine spekulative Philosophie.
So wie die Priester eine besondere Art von Stand ausmachten und dazu  gebildet waren, so ein eigent├╝mliches zur Regel gemachtes, durch das Ganze gehaltenes sittliches Leben. Aus ├ägypten brachte Pythagoras unleugbar das Bild eines Ordens, festes Zusammenleben zur wissenschaftlichen und sittlichen Bildung, die das ganze Leben fortdauerte.

Man sah damals ├ägypten als ein hochgebildetes Land an, und es war es gegen Griechenland. Es zeigt sich dies schon in dem Kastenunterschiede; dieser setzt eine Teilung der gro├čen Gesch├Ąftszweige unter den Menschen voraus, - eine Teilung des Technischen, Wissenschaftlichen, Religi├Âsen usf. Sonst aber mu├č man gro├če wissenschaftliche Kenntnisse nicht bei den ├ägyptern suchen, noch glauben, da├č Pythagoras seine Wissenschaft da hergeholt habe.22)

Pythagoras hielt sich lange Zeit in ├ägypten auf; er kehrte von da nach Samos zur├╝ck. Er fand in seinem Vaterlande aber die inneren Staatsverh├Ąltnisse indessen verwirrt und verlie├č es bald wieder.
Polykrates hatte, nicht als Tyrann23) , viele B├╝rger aus Samos verbannt, welche bei den Laked├Ąmoniern Unterst├╝tzung gesucht und gefunden und einen B├╝rgerkrieg entz├╝ndet hatten.24) Fr├╝her gaben die Spartaner diese Hilfe, denn diesen verdankte man ├╝berhaupt die Aufhebung der Herrschaft Einzelner und die Zur├╝ckgabe der ├Âffentlichen Gewalt an das Volk.
Sp├Ąter taten sie das Gegenteil, hoben Demokratien auf und f├╝hrten Aristokratien ein. Pythagoras' Familie war notwendig auch in diese unangenehmen Verh├Ąltnisse verwickelt; und ein solcher Zustand des b├╝rgerlichen Kriegs war nichts f├╝r Pythagoras, der kein Interesse am politischen Leben mehr nahm und in ihm einen ung├╝nstigen Boden f├╝r seine Pl├Ąne sah.
Er bereiste Griechenland und begab sich von da nach Italien, in dessen unterem Teile griechische Kolonien aus verschiedenen V├Âlkerschaften und verschiedenen Veranlassungen sich angesiedelt hatten und als eine Menge handeltreibender, m├Ąchtiger, an Volk und vielfachem Besitz reicher St├Ądte bl├╝hten.

In Kroton hat er sich niedergelassen und ist selbst├Ąndig und f├╝r sich aufgetreten; sein Auftreten ist weder als eines Staatsmanns oder Kriegers noch eines politischen Gesetzgebers des Volks ├╝ber seine ├Ąu├čeren Verh├Ąltnisse, sondern als ├Âffentlicher Volkslehrer mit der Bestimmung als Lehrer, dessen Lehre sich nicht nur mit der ├ťberzeugung begn├╝gt, sondern auch das ganze sittliche Leben der Individuen einrichtet.
Er kann als der erste Volkslehrer angesehen werden.
Man sagt, er habe sich zuerst den Namen ╬╣╬╗¤î¤â╬┐╬┐¤é statt ¤â╬┐¤î¤é gegeben25) , und man nennt dies Bescheidenheit, als ob er damit nur ausgesprochen, nicht die Weisheit zu besitzen, sondern nur nach ihr zu streben als nach einem Ziele, was unerreichbar ist.26) ╬ú╬┐¤î¤é hie├č aber zugleich ein weiser Mann, der auch praktisch ist, nicht nur f├╝r sich, - dazu braucht es keiner Weisheit, jeder redliche, sittliche Mann tut, was seinen Verh├Ąltnissen gem├Ą├č ist; so hat ╬╣╬╗¤î¤â╬┐╬┐¤é besonders den Gegensatz von der Teilnahme am Praktischen, d. h. an ├Âffentlichen Staatsangelegenheiten, - es ist nicht Liebe zur Weisheit als zu etwas, das man sich beg├Ąbe zu besitzen, es ist keine unerf├╝llte Lust dazu. ╬Ž ╬╣ ╬╗ ¤î ¤â╬┐╬┐¤é hei├čt: der ein Verh├Ąltnis zur Weisheit als Gegenstand hat; das Verh├Ąltnis ist Nachdenken, nicht nur Sein, - auch in Gedanken sich damit besch├Ąftigen.
Einer, der den Wein liebt (╬»╬╗╬┐╬╣╬Ż╬┐¤é), ist von einem, der des Weins voll ist, einem Betrunkenen, zu unterscheiden. Bezeichnet denn aber ╬»╬╗╬┐╬╣╬Ż╬┐¤é nur ein eitles Streben nach Wein?

Was Pythagoras in Italien veranstaltet und bewirkt hat, wird uns besonders durch sp├Ątere Lobredner mehr als durch Geschichtsschreiber berichtet.
Es findet sich so eine Geschichte des Pythagoras von Malchos,
wo sonderbare Dinge erz├Ąhlt werden. Auffallend ist dieser Kontrast der Neuplatoniker  zwischen ihrer tiefen Einsicht und dem Wunderglauben,
der bei ihnen vorkommt.

Wenn die sp├Ąteren Biographen des Pythagoras vorher schon eine Menge Wunderdinge erz├Ąhlen, so h├Ąufen sie nun noch mehrere bei seiner Erscheinung in Italien auf ihn.
Es scheint, da├č sie, wie nachher den Apollonios von Tyane, ihn Christus entgegenzusetzen bem├╝ht waren.
Die Wunder, welche sie von ihm erz├Ąhlen, sind zum Teil in demselben Geschmack wie die neutestamentarischen und scheinen sich darauf als eine Verbesserung zu beziehen; und sie sind zum Teil sehr abgeschmackt.
So z. B. lassen sie ihn gleich mit einem Wunder in Italien auftreten.
Der Stil dieser Wunder ist: Als er bei Kroton am tarentinischen Meerbusen ans Land gestiegen, habe er auf dem Wege nach der Stadt Fischer angetroffen, die nichts gefangen. Er habe sie gehei├čen, ihr Netz von neuem zu ziehen, und habe ihnen vorausgesagt, welche Anzahl von Fischen darin sein w├╝rde. Die Fischer, in Verwunderung ├╝ber diese Voraussagung, h├Ątten ihm dagegen versprochen, wenn sie eintreffen w├╝rde, ihm zu tun, was er nur immer verlange.
Es sei eingetroffen, und Pythagoras habe dann dies verlangt, da├č sie sie wieder lebend ins Meer w├╝rfen; denn die Pythagoreer a├čen kein Fleisch. Und als Wunder, das dabei stattgefunden, wird noch dies erz├Ąhlt, da├č keiner der Fische, w├Ąhrend sie au├čer dem Wasser waren, krepiert sei beim Z├Ąhlen.27)

Von dieser albernen Art sind die Geschichten, mit denen seine Lebensbeschreiber sein Leben anf├╝llen. Sie lassen ihn alsdann einen solchen allgemeinen Eindruck auf die Gem├╝ter der Italier machen, da├č alle St├Ądte ihre schwelgenden und verdorbenen Sitten besserten und die Tyrannen teils ihre Gewalt selbst niederlegten, teils vertrieben wurden.28)
Sie begehen dabei aber wieder solche historische Unrichtigkeiten, da├č sie z. B. den Charondas und Zaleukos zu seinen Sch├╝lern machten, welche lange vor Pythagoras lebten; ebenso die Vertreibung und den Tod des Tyrannen Phalaris ihm und seiner Wirkung zuschreiben29) usw.
Abgesondert von diesen Fabeln bleibt als historische Wahrheit die gro├če Wirkung, die er ├╝berhaupt hervorgebracht, die Stiftung einer Schule oder vielmehr einer Art von Orden, und der m├Ąchtige Einflu├č desselben auf die meisten italisch-griechischen Staaten oder vielmehr die Beherrschung derselben durch diesen Orden, die sich sehr lange Zeit erhalten hat.

Es wird von ihm erz├Ąhlt, da├č er ein sehr sch├Âner Mann und von majest├Ątischem Ansehen gewesen, das sogleich ebensosehr einnahm, als Ehrfurcht gebot.30) Mit dieser nat├╝rlichen W├╝rde, edlen Sitten und dem besonnenen Anstande der Haltung verband er noch ├Ąu├čerliche Besonderheiten, wodurch er als ein eigenes geheimnisvolles Wesen erschien: der Tracht - er trug eine wei├če leinene Kleidung, und enthielt sich von dem Genusse gewisser Speisen. Zu dieser ├Ąu├čeren Pers├Ânlichkeit31) kam noch gro├če Beredsamkeit und tiefe Einsichten, die er nicht nur seinen einzelnen Freunden mitzuteilen anfing, sondern er ging darauf aus, eine allgemeine Wirkung auf die ├Âffentliche Bildung hervorzubringen, sowohl in Ansehung der Einsichten als der ganzen Lebensweise und Sittlichkeit.
Er unterrichtete seine Freunde nicht blo├č, sondern vereinigte sie zu einem besonderen Leben,
um sie zu besonderen Personen, zu Geschicklichkeit in Gesch├Ąften und zur Sittlichkeit zu bilden. Das Institut des Pythagoras erwuchs zu einem Bunde, der das ganze Leben umfa├čte. Pythagoras selbst war ein ausgearbeitetes Kunstwerk, eine w├╝rdige plastische Natur.

├ťber die Einrichtungen seiner Gesellschaft haben wir Beschreibungen von Sp├Ąteren, besonders den Neuplatonikern; sie sind weitl├Ąufig in Beschreibung der Gesetze. Die Gesellschaft hatte im ganzen den Charakter eines Priester- oder M├Ânchsordens neuerer Zeit.
Der, welcher aufgenommen sein wollte, wurde gepr├╝ft in Ansehung seiner Bildung und durch ├ťbungen seines Gehorsams. Es wurden Erkundigungen ├╝ber sein Betragen, seine Neigungen und Gesch├Ąfte eingezogen. In der Verbindung war ein ganz regelm├Ą├čiges Leben eingef├╝hrt,
so da├č Kleidung, Nahrung, Besch├Ąftigung, Schlafen, Aufstehen usf. bestimmt war, jede Stunde hatte ihre Arbeit. Die Glieder wurden einer besonderen Erziehung unterworfen. Es wurde dabei ein Unterschied zwischen den Aufgenommenen gemacht. Sie teilten sich in Exoteriker und Esoteriker. Diese waren in das H├Âchste der Wissenschaft eingeweiht, und so wie politische Pl├Ąne dem Orden nicht entfernt waren, so waren sie auch in politischer T├Ątigkeit. Jene hatten ein Noviziat von 5 Jahren.
Sein Verm├Âgen mu├čte jeder dem Orden ├╝bergeben,
erhielt es jedoch beim R├╝cktritt wieder. In dieser Lernzeit wurde Stillschweigen auferlegt
(╬Á¤ç╬Á╬╝¤ů╬»╬▒, die Pflicht, das Geschw├Ątz zur├╝ckzuhalten)32) .

Dies, kann man ├╝berhaupt sagen, ist eine wesentliche Bedingung f├╝r jede Bildung.
Man mu├č damit anfangen, Gedanken anderer auffassen zu k├Ânnen;
es ist das Verzichtleisten auf eigene Vorstellungen, und dies ist ├╝berhaupt die Bedingung zum Lernen, Studieren. Man pflegt zu sagen, da├č der Verstand ausgebildet werde durch Fragen, Einwendungen und Antworten usf.;
es wird aber hierdurch in der Tat nicht der Verstand gebildet, sondern ├Ąu├čerlich gemacht.
Die Innerlichkeit des Menschen wird in der Bildung erweitert, erworben; dadurch, da├č er an sich h├Ąlt, durch das Schweigen wird er nicht ├Ąrmer an Gedanken, an Lebhaftigkeit des Geistes.
Er erlernt vielmehr dadurch die F├Ąhigkeit, aufzufassen, und erwirbt die Einsicht, da├č seine Einf├Ąlle, Einwendungen nichts taugen;
- dadurch da├č die Einsicht w├Ąchst, da├č solche Einf├Ąlle nichts taugen, gew├Âhnt er sich ab,
sie zu haben.

Da├č nun von Pythagoras besonders berichtet wird diese Abscheidung der in der Vorbereitung Begriffenen und der Eingeweihten, sowie dies Schweigen, scheint allerdings darauf hinzudeuten, da├č in seiner Gesellschaft beides f├Ârmlicher gewesen, nicht so wie die unmittelbare Natur der Sache es nur mit sich bringt und im einzelnen von selbst ergibt, ohne ein besonderes Gesetz und ein allgemeines Daraufhalten.
Allein auch hier├╝ber ist wichtig zu bemerken, da├č Pythagoras der erste Lehrer in Griechenland gewesen - oder der erste, der das Lehren von Wissenschaften in Griechenland eingef├╝hrt hat.
Weder Thales, der fr├╝her ist als er, noch sein Zeitgenosse Anaximander haben wissenschaftlich gelehrt, ihre Ideen Freunden mitgeteilt.

Es waren ├╝berhaupt keine Wissenschaften vorhanden, weder eine Philosophie, noch Mathematik, noch Jurisprudenz, noch sonst irgendeine; was davon da war, - einzelne S├Ątze, einzelne Kenntnisse.
Was gelehrt wurde, - die Waffen zu f├╝hren, Philosopheme, Musik, Homers oder Hesiods Lieder zu singen, Ges├Ąnge vom Dreifu├č usf. oder andere K├╝nste; dies wird auf ganz andere Weise beigebracht. Pythagoras ist als der erste allgemeine Lehrer anzusehen.
Wenn nun erz├Ąhlt w├╝rde, Pythagoras hat das Lehren der Wissenschaften eingef├╝hrt unter einem wissenschaftlich ungebildeten, aber sonst nicht stumpfen, sondern vielmehr h├Âchst munteren, nat├╝rlich gebildeten und geschw├Ątzigen Volke, wie die Griechen waren, so w├╝rden, insofern die ├Ąu├čerlichen Umst├Ąnde dieses Lehrens angegeben werden sollten, die nicht fehlen:
╬▒) da├č er unter denen, die noch gar nicht wu├čten, wie es beim Lehren einer Wissenschaft zugeht, den Unterschied mache, da├č die erst anfangen, von dem ausgeschlossen w├Ąren, was denen, die schon weiter sind, noch mitgeteilt w├╝rde, und
╬▓) da├č sie die unwissenschaftliche Art, ├╝ber solche Gegenst├Ąnde zu sprechen (ihr Geschw├Ątze), sein lassen und die Wissenschaft erst aufnehmen m├╝├čten.

Da├č aber darum teils die Sache f├Ârmlicher erschien, teils f├Ârmlicher gemacht werden mu├čte,
ist ebenso wegen des Ungewohnten notwendig;
schon dadurch, weil des Pythagoras Zuh├Ârer nicht nur eine gro├če Menge waren, sondern sie auch ├╝berhaupt zusammenlebten, - eine Menge hier├╝ber macht eine bestimmte Form und Ordnung notwendig.

Dies Zusammenleben hatte nun nicht nur die Seite des Unterrichts, sondern der Bildung des praktischen Menschen; was nun hier nicht unmittelbar als Geschicklichkeit erscheint, als ├ťbung f├╝r eine Fertigkeit, die im unfreien, gegenst├Ąndlichen Elemente des Menschen ihren Teil hat.
Sondern das Sittliche, das T├Ątige erscheint hier, und es ist alles f├Ârmlich, was sich darauf bezieht, oder vielmehr, insofern es mit Bewu├čtsein in dieser Beziehung gedacht wird; denn f├Ârmlich ist etwas Allgemeines, das oberfl├Ąchlich oder entgegengesetzt f├╝r das Individuum ist.
Aber so erscheint es auch dem das Allgemeine und Einzelne Vergleichenden und mit Bewu├čtsein ├╝ber beides Reflektierenden; aber dieser Unterschied verschwindet f├╝r den darin Lebenden, welchem es Sitte ist.

Man hat endlich genaue und ausf├╝hrliche Beschreibungen von der ├Ąu├čerlichen Lebensart,
welche die Pythagoreer in ihrem Zusammenleben beobachteten, ihren ├ťbungen usf.;
vieles hiervon aber verdankt man den Vorstellungen Sp├Ąterer.
Zuerst wird uns dies berichtet, da├č sie sich durch gleiche Kleidung
- eine wei├čleinene, die des Pythagoras - auszeichneten.
Sie hatten eine sehr bestimmte Tagesordnung.
Des Morgens gleich nach dem Aufstehen war ihnen auferlegt, die Geschichte des vorhergehenden Tages sich ins Ged├Ąchtnis zu rufen, indem,
was in dem Tage zu tun ist, mit dem des gestrigen eng zusammenh├Ąngt. Wahre Bildung ist nicht, auf sich sosehr seine Aufmerksamkeit richten, sich mit sich als Individuum besch├Ąftigen - Eitelkeit; sondern sich vergessen, in die Sache, das Allgemeine vertiefen - Selbstvergessenheit.
Auch hatten sie aus Homer und Hesiod auswendig zu lernen.
Des Morgens, sowie h├Ąufig den Tag ├╝ber, besch├Ąftigten sie sich mit Musik, einem der Hauptgegenst├Ąnde des griechischen Unterrichts und Bildung ├╝berhaupt. Ebenso waren die gymnastischen ├ťbungen im Ringen, Laufen, Werfen und dergleichen regelm├Ą├čig bei ihnen eingef├╝hrt.
Sie speisten gemeinschaftlich, und auch hier hatten sie Besonderheiten; doch sind auch hier├╝ber die Nachrichten verschieden.
Honig und Brot werden als ihre Hauptspeisen angegeben und Wasser als das vorz├╝glichste, ja einzige Getr├Ąnk. Ebenso sollen sie sich der Fleischspeisen g├Ąnzlich enthalten haben, womit die Seelenwanderung zusammengeh├Ąngt wird, - auch unter den vegetabilischen Nahrungsmitteln einen Unterschied gemacht, Bohnen verboten. Sie sind viel damit verspottet worden, wegen ihrer Verehrung der Bohnen; bei der folgenden Zerst├Ârung des politischen Bundes h├Ątten mehrere Pythagoreer, verfolgt, sich lieber t├Âten lassen, um einen Bohnenacker nicht zu verletzen.33)

Zwei Umst├Ąnde:
╬▒) die zur Pflicht gemachte h├Ąufige Reflexion ├╝ber sich selbst (schon erw├Ąhnt als Morgengesch├Ąft, ebenso als Abendgesch├Ąft: was den Tag ├╝ber getan, zu pr├╝fen, ob es recht oder nicht recht) - gef├Ąhrliche, unn├╝tze ├ängstlichkeit (Besonnenheit ist notwendig mehr ├╝ber die Sache selbst) benimmt die Freiheit, so wie eben alles, was sich aufs Moralische bezieht, f├Ârmlich wird;
╬▓) vielf├Ąltige Zusammenkunft in den Tempeln, Opfer, eine Menge religi├Âser Gebr├Ąuche,
- ein gesetztes religi├Âses Leben f├╝hren. Von der ganzen praktischen Seite nachher.

Der Orden, die eigentliche sittliche Bildung selbst, der Umgang der M├Ąnner, bestand jedoch nicht lange. Noch zu Pythagoras' Lebzeiten soll sich das Schicksal seines Bundes entwickelt haben; er hat Feinde gefunden, welche ihn gewaltsam zertr├╝mmerten.
Er habe, sagt man, den Neid auf sich gezogen. Er wurde beschuldigt, da├č er noch anderes dabei denke, als er meine (arri├Ęre-pens├ęe); das Wesen dieses Zusammenhangs ist, da├č er der Stadt nicht ganz, noch einem anderen angeh├Ârt. In dieser Katastrophe soll Pythagoras selbst in der 69. Olympiade (504 v. Chr.)34) den Tod in einem Aufstande des Volkes gegen diese Aristokraten gefunden haben.
Sein Tod ist ungewi├č, entweder in Kroton oder Metapont, oder in einem Kriege der Syrakusaner mit den Agrigentinern, - die Bohnen haben ihm den Tod gegeben.35)
├ťbrigens hat der Verein der pythagoreischen Schule und die Freundschaft der Mitglieder sich noch sp├Ąter erhalten, aber nicht in der F├Ârmlichkeit eines Bundes. Die Geschichte Gro├čgriechenlands ist uns ├╝berhaupt weniger bekannt; doch treffen wir noch zu Platons Zeiten Pythagoreer an der Spitze von Staaten oder als eine politische Macht auftreten.36)

Die pythagoreische Gesellschaft - freiwilliger Priesterorden, Lehr-, Bildungsanstalt nicht nur, sondern auch fortdauerndes Zusammenleben -, diese Ausscheidung hatte keinen Zusammenhang mit dem griechischen politischen ├Âffentlichen und religi├Âsen Leben, konnte nicht von langem Bestande sein im griechischen Leben.
In ├ägypten, Asien ist Absonderung, Einflu├č der Priester zu Hause;
das freie Griechenland konnte aber diese orientalische Kastenabsonderung nicht gew├Ąhren lassen. Freiheit ist hier das Prinzip des Staatslebens, jedoch so, da├č sie nicht bestimmt ist als Prinzip der rechtlichen, der Privatverh├Ąltnisse. Bei uns ist das Individuum frei, weil es vor dem Gesetze gleich ist; dabei kann die Sitte, das politische Verh├Ąltnis, die Ansicht bestehen und mu├č in organischen Staaten sogar verschieden sein.
In dem demokratischen Griechenland hingegen mu├čte auch die Sitte, die ├Ąu├čere Lebensweise sich in einer Gleichheit erhalten.
Der Stempel der Gleichheit mu├čte auf diese weiteren Kreise aufgedr├╝ckt bleiben.
Diese Ausnahme der Pythagoreer, die nicht als freie B├╝rger beschlie├čen konnten, sondern von den Pl├Ąnen, Zwecken einer Verbindung abh├Ąngig waren, hatte so in Griechenland keinen Platz.
Der Zusammenhang der Bildung ist zwar geblieben bis in sp├Ątere Zeiten, aber das ├äu├čere mu├čte untergehen.

Zwar den Eumolpiden geh├Ârte die Bewahrung der Mysterien, besonderer Gottesdienst nat├╝rlichen Familien an, aber nicht als einer im politischen Sinne festgesetzten Kaste, sondern sie sind politische M├Ąnner, B├╝rger,
wie andere; ebenso die Priester und Priesterinnen, ├╝berhaupt die den Opferdienst zu versehen hatten, sonstige Vorsteher, F├╝rsten, Heroen.
Noch war, wie bei den Christen, diese Ausscheidung des Religi├Âsen, Absonderung zu dieser Extremit├Ąt getrieben.
Ohne pythagoreische Bildung waren die Griechen nicht einseitig, - politische M├Ąnner.
Sie hatten gemeinsames Staatsleben. Da k├Ânnen keine aufkommen oder es aushalten, die besondere Prinzipien, sogar Geheimnisse, in ├Ąu├čerlicher Lebensart und Kleidung Unterschiede haben, sondern es ist eine offene Vereinigung und Auszeichnung, die im Gemeinsamen der Prinzipien, Lebensweise steht. Ob etwas gut f├╝rs Gemeinwohl oder gegen das Gemeinwohl, wurde gemeinsam offen mit ihnen beraten. Die Griechen sind dar├╝ber hinaus: besondere Kleidung, best├Ąndige Gewohnheiten des Waschens, Aufstehens, ├ťbung in Musik, Ausscheidung reiner und unreiner Speisen. Bei Pythagoras war so eine besondere Form nat├╝rlich, weil das allererste Mal ein Lehrer in Griechenland eine Totalit├Ąt beabsichtigte, ein Umfassen des ganzen Menschen und Lebens, neues Prinzip durch Bildung der Intelligenz und des Gem├╝ts, Willens. Dies ist aber teils Sache des besonderen Individuums, seiner einzelnen Freiheit, ohne gemeinsamen Zweck, teils als allgemeine M├Âglichkeit f├╝r jeden und allgemeine Sitte.

Das Alter des Pythagoras wird auf 80 und 104 Jahre angegeben37) ; es ist dar├╝ber viel Streit.

Die Hauptsache ist f├╝r uns die pythagoreische Philosophie, nicht sowohl des Pythagoras als der Pythagoreer. So spricht Aristoteles und Sextus;
und aus der Vergleichung dessen, was f├╝r pythagoreische Lehre ausgegeben wird, erhellen sogleich mancherlei Abweichungen und Verschiedenheiten,
wie wir sehen werden. Es wird Schuld des Verderbens durch Platon, Aufnehmen von Pythagoreischem in seine Philosophie behauptet; aber die Macht der pythagoreischen Philosophie ist weitere Fortbildung, - es l├Ą├čt sich nicht so erhalten, wie es zuerst war.

Hierbei ist zun├Ąchst zu bemerken, da├č allerdings zu unterscheiden ist im allgemeinen die Philosophie des Pythagoras selbst und die Ausbildung und Entwicklung, die sie weiterhin bei seinen Nachfolgern erlangt hat.
Dies ist zum Teil historisch. Viele seiner Nachfolger werden genannt, die diese und jene Bestimmung gemacht haben: Alkm├Ąon, Philolaos.
Und vielen anderen Darstellungen sieht man das Einfache, Unausgebildete an gegen die weitere Ausbildung, worin der Gedanke m├Ąchtig und bestimmter hervortritt.
Auf das Geschichtliche dieses Unterschiedes brauchen wir jedoch nicht weiter einzugehen, sondern wir k├Ânnen nur die pythagoreische Philosophie ├╝berhaupt betrachten.
Ebenso ist das abzuschneiden, was offenbar den Neuplatonikern und Neupythagoreern geh├Ârt; wir haben hierzu Quellen, die fr├╝her sind als diese Periode,
- die ausf├╝hrlichen Darstellungen, die wir bei Aristoteles und Sextus finden.

Die pythagoreische Philosophie macht den ├ťbergang von der realistischen zur Intellektualphilosophie. Die Ionier sagten, das Wesen, das Prinzip ist ein materiell Bestimmtes. Die n├Ąchste Bestimmung ist,

╬▒) da├č das Absolute nicht in nat├╝rlicher Form gefa├čt werde, sondern in einer Gedankenbestimmung;
╬▓) dann m├╝ssen jetzt die Bestimmungen gesetzt werden,
- das Erste ist das ganz Unbestimmte (╬▒¤Ç╬Á╬╣╬┐╬Ż). Dieses beides hat die pythagoreische Philosophie getan.

 

 

12) M: Tennemann, Bd. I, S. 413-414

13) M: vgl. Malchos, De vita Pythagorae, ┬ž 14-15, ed. Rittershus

14) M: Herodot III, 39

15) M: Diogenes Laertios I, ┬ž 116

16) M: Diogenes Laertios I, ┬ž 119

17) M: Diogenes Laertios I, ┬ž 118

18) M: Iamblichos, De vita Pythagorae III, ┬ž 13-14

19) M: Herodot II, 154

20) *Es sollte nur als von etwas Heiligem nicht gesprochen werden. Herodot sagt oft ausdr├╝cklich, er wolle von den ├Ągyptischen Gottheiten und Mysterien sprechen, so weit es heilig sei, davon zu sprechen, er wisse noch mehreres, aber es sei nicht heilig, davon zu sprechen.

21) *Das Individuum sollte auf sich besonders sehen, da├č es innerlich und ├Ąu├čerlich ein w├╝rdiger Mensch sei, - sittliches Kunstwerk.

22) M: vgl. Aristoteles, Metaphysik I, 1; Malchos, ┬ž 6; Iamblichos XXIX, ┬ž 158

23) M: Diogenes Laertios VIII, ┬ž 3

24) M: Herodot III, 45-47

25) Diogenes Laertios VIII, ┬ž 8; Iamblichos VIII, ┬ž 4; XII, ┬ž 58

26) Diogenes Laertios I, ┬ž 12

27) M: Porphyrios, De vita Pythagorae, ┬ž 25; Iamblichos VIII, ┬ž 36

28) M: Porphyrios, ┬ž 21-22; Iamblichos VII, ┬ž 33-34

29) M: Iamblichos XXXII, ┬ž 220-222

30) M: Diogenes Laertios VIII, ┬ž 11; Porphyrios, ┬ž 18-20; Iamblichos II, ┬ž 9-10

31) *Besondere Pers├Ânlichkeit ├╝berhaupt sowie ├äu├čerlichkeit in der Tracht und dergleichen sind in neueren Zeiten nicht mehr so wichtig. Man l├Ą├čt sich durch die allgemeine Gewohnheit (Mode) bestimmen, weil es an und f├╝r sich ├Ąu├čerlich, gleichg├╝ltig ist, hierin nicht eigenen Willen zu haben, sondern gibt dies Zuf├Ąllige der Zuf├Ąlligkeit preis und folgt nur dieser ├Ąu├čeren Erscheinung der Vern├╝nftigkeit als im ├äu├čeren, - Gleichheit, Allgemeinheit.

32) M: Iamblichos XVIII, ┬ž 71-74, 80-82, 150; Porphyrios, ┬ž 37; Diogenes Laertios VIII, ┬ž 10

33) M: Iamblichos XXI, ┬ž 97, 100, XXIV, ┬ž 107, XXIX, 163-165; Porphyrios, ┬ž 32-34; Diogenes Laertios VIII, 19, 22, 24, 39

34) M: Tennemann, Bd. I, S. 414

35) M: Diogenes Laertios VIII, ┬ž 39-40; Iamblichos XXXV, ┬ž 248-264; Porphyrios, ┬ž 54-59

36) M: Platon, Timaios, Steph. 20

37) M: Anonymus, De vita Pythagorae (apud Photium) ┬ž 2

(HEGEL: Geschichte der Philosophie)


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