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Manfred Herok  2014

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Philosophie der Stoiker

Es ist ber sie wie ber den Epikureismus im allgemeinen zu bemerken, da sie an die Stelle der kynischen und kyrenaischen Philosophie traten (wie der Skeptizismus an die Stelle der Akademie) oder das Prinzip des Kynismus und Kyrenaismus aufnahmen, aber dies Prinzip mehr in die Form wissenschaftlichen Denkens erhoben.
Weil aber in ihnen ebenso wie in diesen der Inhalt ein fester, bestimmter ist, das Selbstbewutsein sich darin auf eine Seite setzt, so ttet dieser Umstand eigentlich die Spekulation, welche von solchem Fixieren nichts wei, es vielmehr vertilgt und den Gegenstand als absoluten Begriff, als in seiner Differenz ungeteiltes Ganzes behandelt.
Daher in beiden in der Tat nicht eigentliche Spekulation anzutreffen ist, sondern nur eine Anwendung des einseitigen beschrnkten Prinzips.
Bei Aristoteles liegt die absolute Idee unbeschrnkt, nicht in einer Bestimmtheit, mit einer Differenz gesetzt, zugrunde; sein Mangel ist nur der Mangel, den die Realisierung hat, zu einem Begriffe verbunden zu sein. Hier ist der eine Begriff als das Wesen gesetzt und alles auf ihn bezogen,
es ist die geforderte Beziehung vorhanden; aber das, worin alles eins wird, ist nicht das Wahrhafte.
Bei Aristoteles ist jeder in seiner Bestimmung absolut betrachtet, auseinanderfallend; hier wesentlich in dieser Beziehung, nicht absolut, aber nicht an und fr sich.
Weil so das Einzelne nicht absolut betrachtet ist, sondern nur relativ, so ist in der Tat das Ganze der Ausfhrung eben nicht interessant; es ist eine uere Beziehung.
Bei Aristoteles zwar ist auch das Einzelne aufgenommen, aber dies Aufnehmen vertilgt durch die spekulative Betrachtung; hier aber das Einzelne nur aufgenommen, und auch die Behandlung ist uerlich. Nicht einmal eben ist diese Beziehung konsequent, wenn, wie es auch geschieht, etwas,
die Natur an ihr selbst betrachtet wird; es fllt das Anundfrsich auer ihr, ihre Betrachtung ist nur ein Rsonieren aus unbestimmten Prinzipien oder Prinzipien, die nur die nchsten sind.

Bei beiden wollen wir nur auf das Allgemeine ihres Prinzips uns beschrnken, zuerst die berhmten Stoiker erwhnen.

Zur Geschichte der stoischen Philosophie.
Der Stifter der stoischen Schule ist Zenon (der Cittische, unterschieden vom Eleaten),
geboren zu Cittium, einer Stadt auf Zypern, um die 109. Olympiade.
Sein Vater war ein Kaufmann, der ihm aus seinen Handelsreisen nach Athen, damals und noch lange dem Sitze der Philosophie und einer Menge von Philosophen, Bcher besonders der Sokratiker mitbrachte, wodurch Lust und Liebe zur Wissenschaft in ihm erweckt wurde. Zenon reiste selbst nach Athen.1)
Er soll nach einigen nhere Veranlassung, der Philosophie zu leben, darin geholt haben, da er sein Vermgen in einem Schiffbruch verlor; was er nicht verlor, war der gebildete Adel seines Geistes und seine Liebe zur vernnftigen Einsicht.
Zenon besuchte mehrere Arten der Sokratiker, besonders den Xenokrates, einen Mann, der zur platonischen Schule gehrte, der wegen der Strenge seiner Sitten, der ganzen Ernsthaftigkeit seines Betragens sehr berhmt war, so da er mit hnlichen Proben versucht wurde, als der Herr Franz von Assissi sich selbst unterwarf, und ihnen ebensowenig unterlag: da, whrend kein Zeugnis ohne Eid in Athen angenommen, ihm der Eid erlassen worden, - auf sein bloes Wort geglaubt sei und sein Lehrer Platon ihm fters gesagt haben soll, er solle auch den Grazien opfern (ϑύε ταις χάϱισι).
Alsdann auch Stilpon, einen Megariker, den wir haben kennengelernt; bei ihm studierte er zehn Jahre die Dialektik.2)
Philosophie wurde berhaupt als Angelegenheit des Lebens, und des ganzen Lebens, betrachtet, - nicht wie einer so philosophische Kollegia durchluft, um zu anderen zu eilen.
Ob er gleich vorzglich Dialektik und praktische Philosophie kultivierte, vernachlssigte er nicht, gleich anderen Sokratikern, die physische Philosophie, sondern studierte besonders Heraklits Werk ber die Natur3) und trat endlich selbst als Lehrer in einer Halle, genannt Pcile (στοα ποιϰίλη), welche mit Polygnots Gemldesammlungen verziert war, als selbstndiger Lehrer auf; hiernach erhielt seine Schule den Namen stoische. Er ging, wie Aristoteles, hauptschlich darauf aus, die Philosophie in ein Ganzes zu vereinigen. Wie seine Methode durch die besondere dialektische Kunst und Bildung und Scharfsinnigkeit des Beweisens, so zeichnete er sich in Ansehung seiner Persnlichkeit durch Strenge, den kynischen sich nhernde Sitten aus, ohne aber zu suchen, wie die Kyniker, damit in die Augen zu fallen.
Mit weniger Eitelkeit war beinahe seine Migkeit im Befriedigen der notwendigen Bedrfnisse ebenso gro; er lebte nur von (Wasser) Brot, Feigen, Honig.
So geno Zenon bei seinen Zeitgenossen einer allgemeinen Verehrung; selbst Knig Antigonos von Makedonien besuchte ihn fter und speiste bei ihm, lud ihn, in einem Briefe bei Diogenes (VII, 79), zu sich; er antwortet, 80 Jahre alt.
Und fr das grte ffentliche Zutrauen, welches er sich erwarb, spricht der Umstand, da die Athener ihm die Schlssel ihrer Burg anvertrauten, ja das Volk von Athen fate nach Diogenes einen Beschlu:
"Weil Zenon, des Mnaseas Sohn, viele Jahre in unserer Stadt als Philosoph gelebt und auch im brigen als ein guter Mann sich bewiesen und die Jnglinge, die sich zu ihm hielten, zur Tugend und Migkeit angehalten und ihnen dazu mit seinem eigenen besten Beispiele vorangegangen sei, so erkennen die Brger, ihm ein ffentliches Lob zu erteilen und ihm einen goldenen Kranz zu schenken, um seiner Tugend willen und Migkeit. Auerdem soll er ffentlich im Keramikos begraben werden.
Fr den Kranz und Erbauung des Begrbnisses wird eine Kommission von fnf Mnnern niedergesetzt." (VII, 6, 10-11) Zenon blhte um Ol. 120 (etwa 300 vor Chr.) zu gleicher Zeit mit Epikur, Arkesilaos von der neuen Akademie und anderen. Er starb in sehr hohem Alter (72 oder 78 Jahre alt) in der 129. Olympiade (Aristoteles dagegen Ol. 114, 3), indem er sich, lebenssatt, selbst das Leben mit einem Stricke oder durch Hunger nahm, - weil er sich den Finger zerbrochen.4)

Unter den folgenden Stoikern ist besonders Kleanthes berhmt geworden, ein Schler und der Nachfolger des Zenon in der Stoa, Verfasser eines berhmten Hymnus auf Gott, der uns von Stobaios aufbehalten ist, und bekannt durch die Anekdote, da er vor Gericht in Athen nach den Gesetzen gefordert wurde, um Rechenschaft ber die Art seines Unterhalts zu geben.
Er bewies dann, da er nachts einem Grtner Wasser trug und durch dies Gewerbe sich so viel erwarb, als er bedurfte, um am Tage in Zenons Gesellschaft sein zu knnen; - uns ist nicht recht begreiflich, wie sich eben so besonders philosophieren lassen sollte. Und als ihm hierauf aus der Staatskasse eine Gratifikation angeboten wurde, schlug er dieselbe auf Zenons Gehei aus. Wie sein Lehrer starb auch Kleanthes, im 81. Jahre, freiwillig, indem er sich der Speisen enthielt.5)
(Unter den spteren Stoikern wren viele zu nennen, die berhmt geworden sind.)

Ausgezeichneter in der Wissenschaft war jedoch ferner Chrysipp, aus Cilicien, geboren Ol. 125, I (280 v. Chr.), der ebenfalls in Athen lebte, und ein Schler Kleanths.
Er hat vorzglich das meiste fr die vielseitige Ausbildung und Ausbreitung der stoischen Philosophie getan. Am berhmtesten machte ihn seine Logik und Dialektik, so da gesagt wurde, wenn die Gtter sich der Dialektik bedienten, so wrden sie keine andere gebrauchen als Chrysipps.
Ebenso wird seine schriftstellerische Arbeitsamkeit bewundert, die Anzahl seiner Werke belief sich nmlich, wie Diogenes Laertios angibt, auf 705 (Tiedemann 5000).
Es wird von ihm hierber erzhlt, da er tglich 500 Zeilen geschrieben.
Aber die Art, wie er seine Schriften verfate, nimmt dem Bewundernswrdigen dieser Schreibseligkeit sehr viel und zeigt, da das meiste teils Kompilationen, teils Wiederholungen gewesen.
Er schrieb oft ber ein und dieselbe Sache; was ihm einfiel, schrieb er alles aufs Papier, schleppte eine Menge Zeugnisse herbei, und so, da er fast ganze Bcher von anderen abschrieb und einer das Urteil ber ihn fllte, da, wenn man ihm alles nhme, was anderen angehrt, so wrde ihm nur das weie Papier bleiben. So arg ist es denn freilich nicht, wie man aus allen Anfhrungen der Stoiker sieht, wo Chrysipp immer an der Spitze steht und seine Bestimmungen und Erklrungen vorzglich gebraucht werden. Soviel ist indessen richtig, da er besonders die stoische Logik ausgefhrt hat.
Bei Diogenes Laertios ist eine zahlreiche Liste seiner Schriften erwhnt, die aber alle fr uns verlorengegangen. Wenn man zu whlen hat - wenn es zu bedauern ist, da nicht einige seiner besten sich erhalten -, so ist es vielleicht ein Glck, da nicht alle aufbewahrt sind. Er starb in der 143. Olympiade (212 v. Chr.).

In folgender Zeit zeichneten sich aus: Diogenes von Seleukeia in Babylonien
(Karneades habe bei Diogenes die Dialektik gelernt), auch deswegen merkwrdig, weil er mit Karneades, einem berhmten Akademiker, und Kritolaos, einem peripatetischen Denker, (Ol. 156, 2) nach Rom als atheniensischer Gesandter geschickt wurde, - eine Gesandtschaft, die die Rmer anfing, mit griechischer Philosophie, Dialektik und Beredsamkeit bekannt zu machen.6) -
Ferner Panaktios, als Lehrer Ciceros bekannt, nach dessen Werke Cicero seine Bcher von den Pflichten schrieb.7)
- Endlich Poseidonios,
ein ebenfalls berhmter Lehrer, der zu Ciceros Zeiten auch lange in Rom lebte.8)

Spter sehen wir die stoische Philosophie auch zu den Rmern bergehen, d. h. so, da sie die Philosophie vieler Rmer wurde, ohne da aber eben diese Philosophie als Wissenschaft dabei gewonnen htte: im Gegenteil - wie bei Seneca und den spteren Stoikern, einem Epiktet, Antonin - eigentlich das spekulative Interesse ganz verlor und mehr eine rhetorische und parnetische Wendung nahm, der sowenig als unserer Predigten in der Geschichte der Philosophie Erwhnung geschehen kann.
Epiktet, aus Hieropolis in Phrygien, am Ende des ersten Jahrhunderts nach Chr. Geburt, war zuerst Sklave des Epaphroditos, der ihn dann freilie, worauf er nach Rom sich begab.
Als Domitian die Philosophen, Giftmischer und Mathematiker aus Rom verwies (94 n. Chr.), ging er nach Nikopolis in Epiros, lehrte daselbst ffentlich. Aus seinen Vortrgen verfate Arrian die weitlufigen Dissertationes Epicteteae, die wir noch besitzen, und dann das Kompendium (ἐγχειϱίδιον) des Stoizismus.9)
Der Kaiser Marcus Aurelius Antoninus Philosophus regierte zuerst gemeinschaftlich mit Lucius Aurelius Verus von 161-169 n. Chr., dann von 169-180 allein; fhrte Krieg mit den Markomannen.
Von ihm haben wir noch seine Gedanken εἰς ἑαυτον, βιβλία ϰβ (12), meditationes ad se ipsum, brig; er spricht darin immer zu sich selbst.
Es ist nicht spekulativer Art: der Mensch solle sich zu allen Tugenden bilden.

Sonst haben wir von den alten Stoikern keine ursprnglichen Werke. Es brechen bei der stoischen Philosophie die Quellen ab, auf die man sich bisher berufen konnte.
Die Quellen, aus denen die Kenntnis der stoischen Philosophie zu schpfen ist, sind indessen sehr bekannt. Es sind Cicero der selbst Stoiker war, und besonders Sextus Empiricus (der Skeptizismus hat vornehmlich mit dem Stoizismus sich zu tun gemacht), seine Darstellung betrifft mehr das Theoretische und ist in philosophischer Rcksicht interessant.
Aber auch Seneca, Antonin, Arrian, das ἐγχειϱίδιον des Epiktet und Diogenes Laertios sind wesentlich zu Rate zu ziehen.

Der Stoizismus erscheint zunchst als Gegenbild und Vervollkommnung des Kynismus.
Der Kynismus setzt dies als Wesen fr das Bewutsein, unmittelbar als natrliches Bewutsein zu sein.
Die Einfachheit ist die einfache Natrlichkeit, Unmittelbarkeit des Einzelnen, da er fr sich sei und sich, in der mannigfaltigen Bewegung der Begierde, des Genusses, des Dafrhaltens von mancherlei als Wesentlichem und des Tuns fr dasselbe, wesentlich das uerlich einfache Leben erhalte.
Der Stoizismus erhebt diese Einfachheit in den Gedanken, und nicht die unmittelbare Natrlichkeit ist der Inhalt und die Form des wahren Seins des Bewutseins, sondern, da die Vernnftigkeit der Natur durch den Gedanken gefat ist, - insofern es in der Einfachheit des Gedankens wahr oder gut ist.

Was nun die Philosophie selbst anbetrifft, so teilten die Stoiker sie bestimmter in jene drei Teile ab, die wir schon frher sahen und welche es im allgemeinen immer sein werden:
1. Logik,
>
2. Physik
> oder Naturphilosophie, und
3. Ethik,
> Philosophie des Geistes besonders nach der praktischen Seite.
Der Inhalt der Philosophie hat nicht so viel Eigenes, Schpferisches.

 

 

1) Diogenes Laertios VII, 1, 12, 31-32; Tennemann, Bd. IV, S. 4; Bd. II, S. 532

2) Diogenes Laertios VII, 2, 5, 6-7

3) Brucker I, 899; II, 413

4) Diogenes Laertios VII, 28-29; Brucker I, 898, 901; Tennemann, Bd. II, S. 534

5) Diogenes Laertios VII, 168-169, 176

6) Diogenes Laertios VI, 81; Cicero, Academicae quaestiones IV, 30; De oratore II, 37-38; De senectute, c. 7; Tennemann, Bd. IV, S. 444

7) De officiis III, 2

8) Cicero, De natura deorum I, 3

9) Aulus Gellius, Noctes atticae I, 2; II, 18; XV, 11; XIX, 1

 

Cicero     Cicero - Zitate     Seneca     Seneca - Zitate     Logik der Stoiker     Epikur
 

Stoa und Christentum
Der Apostel Paulus
  
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Zenon von Kition

* um 333/332 v. Chr. im Knigreich Kition auf Zypern;
262/261 v. Chr. 

Zeno_of_Citium_-_Museo_archeologico_nazionale_di_Napoli

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Kleanthes

 * ca. 331 v. Chr. oder spter in Assos in der Troas, heute Westtrkei;
ca. 232 v. Chr

Kleanthes

Chrysipp/Chrysippos

* 281/76 v. Chr. in Soloi in Kilikien;
208/4 v. Chr. wahrscheinlich in Athen

Chrysippus

Diogenes von Seleukeia
Diogenes Babylonicus;

* um 240 v. Chr. in Seleukia am Tigris;
um 150 v. Chr

Panaitios

 * um 180 v. Chr. auf Rhodos;
um 110 v. Chr.

 

Poseidonios

* 135 v. Chr.;
 in Apameia/ Syrien
(als Grieche)
51 v. Chr.
 Rhodos

Marcus Tullius Cicero
 
* 106 v. Chr. in Arpinum;
7. Dezember 43 v. Chr. bei Formiae

Cicero - Zitate       >>>
 

M-T-Cicero

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Lucius Annaeus Seneca,
* etwa im Jahre 1 in Corduba;
65 n. Chr. bei Rom,

Seneca-berlinantikensammlung-1

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